Die Zukunftsmobilisten!

Die Zukunftsmobilisten!

In dieser Podcastreihe gibt es Eins zu Eins-Interviews von Jürgen Vagt mit Akteuren der Zukunftsmobilität.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 85 Dr. Jörg Beckmann (Mobilitätsakademie AG / Swiss eMobility)

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 85 Dr. Jörg Beckmann (Mobilitätsakademie AG / Swiss eMobility)

von Jürgen Vagt 20.04.20
heute war der studierte Raumplaner Dr. Jörg Beckmann zu Gast bei den Zukunftsmobilisten und wir sprachen eine knappe Stunde über die Zukunftsmobilität in der schönen Schweiz. Anfang des Gesprächs sprachen wir über die Mobilitätsakademie und deren Aufgaben. Dr. Jörg Beckmann skizziert die Herausforderung der Mobilität und egal wie man es dreht und wendet, der Verkehr muss nachhaltiger werden. Wie kann man die gegenwärtige Mobilität mit weniger Emissionen und weniger Fahrzeugen organisiert werden? Dr. Jörg Beckmann stellt ein spannendes Projekt vor, denn https://www.carvelo2go.ch/de/ ist weltweit die erste Sharingplattform für cargobikes und hieraus ist ein Unternehmen entstanden. Der Nutzer kann sich ein Cargobike leihen und man kann schon drei Menschen oder 100 Klo transportieren. Nach der Fahrt kann das Cargobike wieder an die Station zurückgebracht werden.

20000 Nutzer fürs Cargo-bike Sharing

In der Schweiz gibt es schon 20000 Nutzer und nun will man den Weg nach Deutschland gehen. Momentan gibt es vereinzelte Cargobikes in Deutschland, aber eine App-basierte Nutzerplattform wäre für Deutschland neu. Bei den PKWs entwickeln sich die Dinge so wie auch in anderen europäischen Ländern und der Tesla verkauft sich in der Schweiz sehr gut und es gab bei den Eidgenossen auch schon immer eine spannende Szene von Pionieren. In der Jahren 2019 und 2020 rechnet sich das Elektroauto auch rein finanziell im Vergleich zu den konventionellen Verbrennern. Der Markthochlauf nimmt also auch in der Schweiz Formen an.

Autonome Shuttle im ÖPNV

Die Schweiz hatte einen starken ÖPNV und dieser ÖPNV ist ein zentraler Treiber des automatisierten Fahrens. Schon in den Jahren 2016 fuhren hochgradig automatisierte Shuttles in einigen Städten der Schweiz, so wie in anderen Ländern wird auch in der Schweiz fleißig getestet. Aber die ersten automatisierten Shuttle werden auch schon im regulären öffentlichen Verkehrsbetrieb eingesetzt. Ein Technologiepark wird mittels eines voll automatisierten Shuttle an den S-Bahnverkehr der Stadt angeschlossen. Mit diesen Projekten ist man in der Schweiz schon weiter als in Deutschland.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 84 Ralf Laufenberg (RLE International)

von Jürgen Vagt 16.04.20
heute war Ralf Laufenberg zu Gast bei den Zukunftsmobilisten und wir sprachen über die Wirkung der Corona-Pandemie auf die Autoindustrie. Ralf Laufenberg ist nun seit 1993 in der Autoindustrie tätig und wir sind auf 4 Krisen in seiner Karriere gekommen. Diese Erfahrung ist nun nützlich, weil sich die negativen Wirtschaftsprognosen häufen und im April 2020 wird eine Schrumpfung des BIPs von minus 4 % bis minus 30 % diskutiert. Die Automobilindustrie als Zugpferd der deutschen Industrie wird jetzt die Prioritäten anpassen und Projekte in Nice-to have und ertragsstarke Projekte unterscheiden. Für die Elektromobilität gilt diese Abstufung nicht, weil alle großen Hersteller Investitionen getätigt haben und nun muss der Kunde kaufen, damit sich diese Investitionen rentieren. Allerdings forderte der Verband der Automobilindustrie eine Verschiebung der Klimaziele. Für Ralf Laufenberg ist diese Forderung eher kontraproduktiv.

Automatisiertes Fahren in der Warteschleife

Wenn man sich dieses Technologiefeld anschaut, dann ist noch ein weiter Weg bis zu tragfähigen Geschäftsmodellen und daher ist es sehr wahrscheinlich, dass die Investitionen für das automatisiertes Fahren zurückgefahren werden. Auch Google als Vorreiter ist noch weit entfernt, mit dem automatisierten Fahren Geld zu verdienen, zudem fehlt noch der rechtliche Rahmen und eine entsprechende gesellschaftliche Debatte über das automatisierte Fahren im öffentlichen Raum. In der beginnenden Corona-Rezession werden diese Forschungsaktivitäten zurückgefahren, sodass sich der Marktstart von automatisierten Fahrzeugen wohl mehrere Jahre hinausziehen wird.

Start-ups in der New Mobility

Spannend ist aber das Erscheinen von neuen Autoherstellern und hier ergeben sich spannende Möglichkeiten, weil etablierte Player wie Bosch und Benteler neue Plattformen anbieten und hier können Start-ups mit ein paar Millionen eigenständige Fahrzeugkonzepte entwickeln und einen Bedarf an neuen Nutzfahrzeuge decken. Auch weltweit gibt es spannende Projekte, die wie Rivian elektrische Pick-ups auf den internationalen Markt bringen. Laut Ralf Laufenberg werden wir bei den Autoherstellern ein gewisse Fragmentierung sehen und es wird in der Zukunft einige kleinere Hersteller geben, die sehr flexible Fahrzeugkonzepte anbieten werden.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 83 Susanne Schuldt (BVG/See-Meile)

von Jürgen Vagt 14.04.20

heute war Susanne Schuldt von der BVG zu Gast bei den Zukunftsmobilisten und wir sprachen über die Integration von automatisiertes Fahrzeugen in den Betrieb von Verkehrsbetreibern. Am Anfang des Gespräches ging es die Evolution der automatisierten Shuttle. Noch vor wenigen Jahren wurden die automatisierten Fahrzeuge auf abgeschlossenen Arealen wie der Klinik Charité erprobt, aber jetzt im Jahr 2020 geht es mit Ausnahmeregelungen schon in den richtigen Straßenverkehr. Man versucht komplexere Fahrsituationen mit automatisierten Fahrzeugen zu erproben. Im Jahr 2020 ist ein hektischer Stadtverkehr mit vielen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern und einem dynamischen Verkehrsfluss noch zu schwierig, deswegen konzentriert sich die BVG und auch andere Verkehrsgesellschaften auf die Randlagen der Städte. Laut Susanne Schuldt soll das automatisierte Fahren eine Ergänzung zum bestehenden ÖPNV bleiben, man will sich auf Randgebiete der Großstädte konzentrieren.

Mobilty-Hubs in der Zukunftsmobilität

Diese automatisierten Shuttles sollen sich mit Mobility-Hubs ergänzen, bei Mobility Hubs wird das Konzept des Verkehrsknotenpunktes weitergedacht. An einem gut besuchten S-Bahnhof werden heute deutlich mehr Optionen geboten, also man kann einen Roller, ein Fahrrad oder ein Sammeltaxi nutzen. Diese Vielfalt hat es vor wenigen Jahren nicht gegeben und wahrscheinlich kommen bald das automatisierte Shuttle hinzu. Ein Zukunftsthema für Verkehrsgesellschaften bleibt die Ausgestaltung dieser neuen Mobility-Hubs und die Nutzer gewöhnen sich an die neuen Formen der Mobilität und auf diese verändernden Nutzungserfahrungen muss man als Verkehrsgesellschaften einstellen.

Automatisierte Shuttle und BVG

Natürlich sind On-Demand Angebote mit automatisierten Shuttle noch Zukunftsmusik, aber gegenwärtig wird auf der See-Meile in Alt-Tegel werden die ersten Fahrzeugtypen erprobt. Wie passen die ersten automatisierten Shuttle in den Betrieb einer Verkehrsgesellschaft und wie müssen sich diese Fahrzeuge weiterentwickeln. Die hochgradig automatisierten Fahrzeuge müssen komplexe Fahrsituationen trainieren und die BVG muss lernen, wie diese automatisierte Fahren in die betrieblichen Abläufe passt, z. B. muss die Rolle des Fahrers neu gedacht werden. Dann stellt sich die Frage, wie diese Angebote in die bestehenden Prozesse eingebunden werden.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 82 Patrick Schaufuss (Mc Kinsey)

von Jürgen Vagt 30.03.20

heute konnte ich Patrick Schaufuss von Mc Kinsey begrüßen und Patrick Schaufuss befasst sich schon seit 2009 mit Elektromobilität in verschiedenen Facetten. Der studierte Maschinenbauer berät bei Mc Kinsey Autohersteller und andere Institutionen auf dem Weg ins elektromobile Zeitalter. Am Anfang des Gesprächs haben wir eine Bestandsaufnahme der Elektromobilität gemacht und es bildete sich der Konsens aus, dass das Angebot an Elektroautos immer besser wird, aber das Öko-System ums Elektroauto hat noch seine Defizite. Die Ladeinfrastruktur wird im März des Jahres 2020 dominiert von vielen kleineren Anbietern und in der Gegenwart des Jahres 2020 erinnert dieser Markt an den Mobilfunk der frühen 1990er Jahre. Zwar gibt es die ersten größeren Anbieter, aber die Kostenstrukturen machen wohl eine Konsolidierung in den nächsten Jahren sinnvoll. Aus Kundensicht wäre es sicher sinnvoll, weil man eben gewöhnt ist, dass man mit einen Anbieter und mit einer nachvollziehbarer Preis-Leistungs Relation so wie beim Mobilfunk hat.

Elektrische Fahrzeuge in die Flotte

Aber im Jahr 2020 stellt sich die Frage, wie Unternehmen den Einstieg ins elektromobile Zeitalter schaffen. Aktuell stellt sich das Thema, wie die Innenstadtbelieferung elektrisch organisiert werden soll. Hier müssten erstmal sehr große Investitionen im Millionenhöhe getätigt werden und diese Aufgabe wird wohl schon in den nächsten Jahren angegangen werden, auch weil die Städte den Verbrenner aus den Städten vertreiben will. Am Abschluss der Diskussion ging es noch mal um den Wasserstoff, dem Klassiker in der Debatte um alternative Antriebe. Zwar sind die Wirkungsketten immer noch schlecht, sodass der batterie- elektrische Antrieb seine Berechtigung hat, aber im LKW-Betrieb also auf der Langstrecke ist Wasserstoff eine sinnvolle Option. Bei Lkws ist der batterie- elektrische Abtrieb ineffizient, weil die Batterie zu viel Ladevolumen wegnimmt. Bei diesem Szenario macht der Wasserstoffantrieb Sinn und wird erprobt. Zudem kann man Wasserstoff sehr leicht transportieren und daher bekommt eine alte Idee wieder Aufwind. Warum sollten man nicht in riesigen Solarparks in der Wüste Wasserstoff gewinnen und per Schiff in die Industrienationen bringen.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 81 Timm Kellermann Consulting4Drive

von Jürgen Vagt 25.03.20
heute war Timm Kellermann von der Unternehmensberatung https://www.consulting4drive.com/ zu Gast bei den Zukunftsmobilisten. Timm Kellermann verbrachte sein gesamtes Berufsleben in der Automotive-Welt und seit 2007 hat er die Unternehmensberatung consulting4drive mit aufgebaut. Am Anfang des Gespräches ging es um die Elektromobilität und wir haben eine Bestandsaufnahme des Jahres 2020 gemacht. Das Elektroauto ist im Allgemeinen dem vergleichbaren Verbrenner ebenbürtig, in 3–6 Jahren werden wohl alle Elektroautos in der Totalkostenbetrachtung einen Gleichstand mit den vergleichbaren Verbrennern erreicht haben. Momentan ist das Öko-System um das Elektroauto ein Problem, weil der Kunde noch nicht den gleichen Komfort hat wie den Verbrennern hat. Hier müssen neue Tools entwickelt werden, damit man das Elektroauto komfortabler wird.

Globale Märkte und Elektromobilität

Aber Timm Kellermann brachte auch die internationalen Perspektiven in die Diskussion ein, weil es in vielen Schwellennationen lange Distanzen gibt, sodass es keinen Sinn macht, wenn in Asien und Südamerika flächendeckend Ladesäulen aufgebaut werden. In diesen Anwendungen kommt das Thema Wasserstoff zum Zuge und für Timm Kellermann wird Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe ein Bestandteil der Zukunftsmobilität sein. Beide Antriebskonzepte haben immer noch eine schlechte Wirkungsbilanz, aber beiden Antriebskonzepte können auch als Energiespeicher in der Energiewende fungieren. Die temporäre Speicherung von Energie wird beim Ausbau der erneuerbare Energien immer wichtiger und hier könnten beide Konzepte einen wichtigen Beitrag leisten.

Automatisierte Fahrzeuge in die Praxis

Aber natürlich zeigt sich auch noch das Thema automatisiertes Fahren im Alltag der Unternehmensberatung. Für Timm Kellermann ist es entscheidend, dass man jetzt anfängt, in diesem Feld zu lernen und sich einen Wettbewerbsvorteil in diesem Zukunftsfeld zu erarbeitet. Die Version eines voll automatisierten Autos in Privathand in wenigen Jahren ist für Timm Kellermann unrealistisch, aber auf abgesperrten Bereichen wie Fabrikgeländen und Universitätskliniken gibt es schon automatisierte Fahrzeuge. In den letzten Jahren gibt es immer mehr Modellvorhaben , die im öffentlichen Raum automatisierte Shuttle erproben.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 80 Dr. Joachim Bühler Verbandes der TÜV e. V.

von Jürgen Vagt 24.03.20
heute war Dr. Joachim Bühler zu Gast bei den Zukunftsmobilisten und Dr. Joachim Bühler ist Geschäftsführer der Dachorganisation von den TÜV-Organisationen. Daher ging es um die Sicherheitsthemen der Zukunftsmobilität. Der TÜV muss sich mit der Elektromobilität und dem automatisierten Fahren und der Digitalisierung des Autos beschäftigen und am Anfang des Gespräches gegen es ums automatisierte Fahren. In der Fachwelt stellt sich die Frage, wie das automatisierte Fahren zugelassen werden soll. Der TÜV hat eine Umfrage über die Akzeptanz des automatisierten Fahrens gemacht und die Deutschen wollen ein immens hohe Sicherheit. Die Umfrage ergab, dass die Deutschen höhere Ansprüche an die Sicherheit der Algorithmen stellen als bei menschlichen Fahrern.

Automatisierte Autos auf die Straße

Natürlich wird es eine Debatte geben über die gesellschaftliche Akzeptanz des automatisierten Fahrens geben, aber gegenwärtig muss der Bund die Anforderungen für den Speicher des automatisierten Fahrens bestimmen. In diesem Speicher wird aufgezeichnet, wann der menschliche Fahrer und wann das automatisierte Auto die Verantwortung hat. Mit diesem Speicher kann eben geklärt werden, ob der Fahrer oder ob das automatisierte Auto den Fehler gemacht hat und damit entscheidet sich welche Versicherung zahlen muss. Hier wartet man auf die Entscheidung des Bundes und dann kann man langsam, aber sicher in Richtung der Level 3 oder Level 4 Fahrzeuge gehen. Gegenwärtig gibt es diesen Level und dieses Maß von automatisierten Fahrens noch nicht auf deutschen Straßen.

Der TÜV wird digitaler

Der Softwareanteil im Auto steigt stetig und früher waren es nur Komfortfeatures, aber in den letzten Jahren werden es immer Funktionen, welche sicherheitsrelevant sind. Die Aufgaben des TÜVs teilen sich, denn einerseits bleibt die Hardware und deren Prüfung genauso wie es in der Vergangenheit, aber die Software und deren Updates machen neue Prüfverfahren notwendig. Alleine Tesla spielt in der Woche ein paarmal neue Updates auf ein Auto, aber die Befürchtung, dass der Autobesitzer ein paar Mal in der Woche zum TÜV muss, ist unberechtigt. Hierfür will der TÜV eine Cloud einrichten, um die Daten des Autos zu überprüfen.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 79 Dr. Christoph Ploß (MdB/CDU)

von Jürgen Vagt 18.03.20
2017 ist Dr. Christoph Ploß für die CDU in den Bundestag eingezogen und vertritt nun den Hamburger Norden im Bundestag. Gleichzeitig ist Dr. Christoph Ploß Berichterstatter für alternative Antriebe geworden und ist somit inhaltlich für Elektromobilität zuständig. In den letzten drei Jahren verändert sich die Fokus, denn langsam aber sicher wird aus einem Forschungsthema eine kleiner aber interessanter Markthochlauf. Volkswagen hat die Bänder angeworfen und die Hersteller müssen schon in den nächsten Jahren mit elektrischen Modelle kommen, sonst werden massive Strafzahlungen seitens der Europäischen Union fällig. Laut Dr. Christoph Ploß hat die deutsche Autoindustrie lange geschlafen, aber nun geht die deutsche Autoindustrie massiv in Richtung der batterie- elektrischen Antriebe.

Batterie-elektrisch oder Wasserstoff oder e-fuels

Hier hat Dr. Christoph Ploß noch mal hervorgehoben, dass er eine Technologieoffenheit schätzt und keine klare Präferenz für den batterie- elektrischen Antrieb hat und oder als politisches Ziel festsetzen will. Für Dr. Christoph Ploß bleibt es eine unternehmerische Entscheidung, in welche Antriebskonzepte investiert werden soll. Aber der Bund hat Aufgaben und hier geht es Defizite, denn es fehlt immer noch der Rechtsanspruch auf den Einbau einer Ladesäule für die eigenen Eigentumswohnungen. Dieser Anspruch sollte in diesem Jahr kommen und Gesetz werden. Der Bund hat nun eine große Kaufprämie aufgelegt und der Ausbau der Ladeinfrastruktur wird ebenfalls massiv gefördert. Aber die Batterie-Fertigung und damit 30 % der Wertschöpfung des Elektroautos ist in Asien und eben nicht in Deutschland zu finden. Ich sprach Versäumnisse der vergangenen Bundesregierungen an, aber konkreter wollte Dr. Christoph Ploß nicht werden und verwies auf unternehmerische Entscheidungen. Lustigerweise hat Dr. Christoph Ploß noch nie ein eigenes Auto besessen, aber trotzdem ist Dr. Christoph Ploß optimistisch über die Zukunft der deutschen Autoindustrie. Gegenwärtig steht die Autoindustrie gut da, sodass die Veränderungen gut bewältigt werden können und damit würde es auch noch 10 Jahren eine bedeutende Autoindustrie in Deutschland geben.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 78 Prof. Dr. Kuhnimhof (RWTH Aachen)

von Jürgen Vagt 10.03.20

heute war der frisch berufene Prof. Dr. Tobias Kuhnimhof zu Gast bei den Zukunftsmobilisten. Der Professor des Verkehrsingenieurwesens beschäftigt sich dem Mobilitätsverhalten und neuen Nutzungsformen. Auf der Fachebene wird über Mobility as a Service diskutiert und es stellt sich die Frage, wie sich die Mobilität ohne eigenes Auto organisieren lasst. Aber bei allen Themen auf der Fachebene der Mobilitätswirtschaft, wie automatisiertes Fahren, Elektromobilität und Mobility as a Service ist aber fraglich, wie schnell diese neuen Technologien eine CO2 Reduktion in der Mobilität schafft. Wenn man die Klimaziele des Pariser Klimaabkommens ernst nimmt und eben diese Verpflichtung ist Deutschland eben eingegangen, muss man schneller wirkende Optionen nutzen.

ÖPNV muss gestärkt werden

Wenn man eine Option sucht, um CO2-Reduktionen im Verkehr zu erzielen, dann landet man bei guten, alten ÖPNV. Ein großer Verkehrsbus braucht eben weniger Platz, um viele Passagiere von A nach B zu transportieren als die viele individuellen Personenkraftwagen und daher müsste eine Mischung aus Pull und Push-Faktoren eingeführt werden, um die Menschen für eine stärkere Nutzung des Öpnvs zu motivieren. Zudem ist das Parken in Berlin immer noch lächerlich günstig im Vergleich mit den Parkkosten in skandinavischen Großstädten und eine Verteuerung des Parkens würde sehr schnell zu einer Reduzierung des Individualverkehrs führen. Eine solche Maßnahme könnte schon in den nächsten Jahren eine massive CO2-Reduktion führen. Bei allen neuen Technologien muss man sich fragen, ob diese Technologien schnell in den nächsten Jahren eine CO2 Reduktion bringen würde. Laut Prof. Dr. Kuhnimhof müssen diese Technologien danach beurteilt werden, ob diese Technologien schon in den Jahren bis 2025 einen wichtigen Beitrag zu den Klimazielen leisten können. Am Ende des Interviews hat Prof. Dr. Kuhnimhof auch noch mal versucht, den Hype um die neuen Mobilitätsformen zu relativieren. Im Spätwinter des Jahres 2020 konzentrieren sich diese neue Mobilitätsformen auf wenige Großstädten und bislang gibt es nur wenige Nutzer. Neue und moderne Angebote gibt es noch nicht auf dem Land oder in Kleinstädten und natürlich wird aus der Start-up Welt der Siegeszug verkündet. Aber diese positiven Prognosen müssen den Realitätstest bestehen.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 77 Dr. Michael Mandat (PROGENIUM )

von Jürgen Vagt 02.03.20
heute war Dr. Michael Mandat zu Gast bei den Zukunftsmobilisten. Nach ersten Stationen in der Unternehmensberatung gründete Dr. Michael Mandat die Unternehmensberatung PROGENIUM und nun sind es knapp 20 Jahre, in denen er die Automobilindustrie als Unternehmensberater begleitet. Die automobile Welt weitet sich immer mehr aus, weil die Mobilitätswirtschaft seit 10 Jahren immer breiter und vielfältiger wird. Mit dem Innovationsthema Elektromobilität kamen die Energieversorger in die Mobilität und die Software wird immer dominierender. Tesla hat diese Entwicklung vorgemacht und die etablierte Autoindustrie muss jetzt folgen. Aber die tradierten Maschinenbaukonzerne tun sich schwer auf dem Weg zu Softwareunternehmen, die Mobilität anbieten. Gegenwärtig tobt bei den Autoherstellern und in der gesamten Automobilwirtschaft ein Kulturkampf. Es gibt immer noch Verfechter des fossilen Autos und ein immer größer werdende Teil will in die Zukunft. Bei Elektromobilität geht es eben nicht um den Antrieb des Autos, sondern auch um eine Kulturfrage.

Autonomes Fahren: Technologie ist da, Geschäftsmodelle noch nicht

Im März des Jahres 2020 wird an vielen Stellen der Automobilindustrie Kostensenkungsprogramme aufgelegt. Man hat eigentlich überall in die Elektromobilität investiert und eigene kostenintensive Plattformen investiert und jetzt müssen die Käufer endlich Elektroautos kaufen, damit sich diese Investitionen rechnen. Jetzt muss das zweite Thema bearbeitet werden, denn das automatisierte Fahren will jetzt erprobt und erforscht werden. Die ersten Automobilhersteller schließen sich zu Kooperationen zusammen, um gemeinsam diese Herausforderung zu meistern. Die Technik ist so weit, aber laut Dr. Michael Mandat fehlen noch die Geschäftsmodelle und die eine ausreichende Kundenakzeptanz liegt in weiter Ferne. Dr. Michael Mandat meint, dass man die Politik hier in der Pflicht ist und die gesamtgesellschaftliche Steuerung übernehmen muss, damit das autonome Fahren in Deutschland ein Erfolg ist. Zudem muss über den Datenschutz debattiert werden, denn die deutsche Mentalität in Sachen Datenschutz wird ein Problem in diesem Innovationsfeld. Die Geschäftsmodelle um die Daten des autonomen Autos werden in China und in den USA entwickelt und eben nicht in Deutschland.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 76 Dr. Henning Heppner (ELO Mobility GmbH)

von Jürgen Vagt 04.03.20
Herr Dr. Henning Heppner war heute zu Gast bei den Zukunftsmobilisten und in 10 Jahren hat er schon zwei Unternehmen in der Zukunftsmobilität gegründet. 2010 hat Siemens verlassen und hat sein erstes Unternehmen gegründet. Ebee hat einen Controller für das Laden von Elektroautos gebaut und 2018 haben die Gründer das Unternehmen verlassen und die Anteile verkauft. Start up Unternehmen haben die Etablierung der Elektromobilität getrieben und werden auch weiter tun, in der ersten Hälfte der
2010 er Jahre haben Hardware Startups das Geschehen dominiert. In den Jahren 2018 und 2019 waren es eher Softwareunternehmen, die viel Beachtung genossen haben. Insbesondere das Thema Wasserstoff verspricht noch einige unternehmerischen Chancen, wohingegen das batterie-elektrische Thema ausreichend mit jungen Hardware-Unternehmen besetzt ist.

Wasserstoff bei Bussen

Mit dieser Absatzüberschrift kann man das neue Unternehmen Elo-Mobility beschreiben. Wie kommt die Wasserstofftechnologie mit der dazugehörigen Brennstoffzelle in den profanen Stadtbus? Schon 2025 erwartet Dr. Henning Heppner eine Kostenparität zwischen den konventionellen Dieselbussen und der Wasserstofftechnologie und dann wird es für Verkehrsunternehmen betriebswirtschaftlich sinnvoll, wenn man Wasserstoffbusse einsetzt. Aber einen Siegeszug des Wasserstoffantriebs bei Personenkraftwagen erwartet Dr. Henning Heppner nicht, in den nächsten 10 Jahren wird sich der Wasserstoffantrieb auf große Busse und Lkws konzentrieren. Aufgrund der Nutzung von Stadtbussen hat diese Technologie unschlagbare Vorteile, weil bei batterie-elektrischen Antrieben das Verhältnis zwischen Fahrzeuggröße und Batteriegröße zu ungünstig ist. Zudem ist die Reichweite der batterie-elektrischen immer noch zu schlecht, sodass der Busbetreiber zwei oder drei batterie-elektrische Busse einsetzen müsste, um einen dieselbetriebenen Bus zu ersetzen. Daher hat die Wasserstofftechnologie zentrale Vorteile bei Bussen und wird sich laut Dr. Henning Heppner durchsetzen. Am Ende des Interviews dreht sich das Gespräch, um die Internationalisierung der Elektromobilität. In Indien und Teilen Afrika gibt es spannende Konzepte, so könnte man das Tuk-Tuk in Indien mit einem batterie-elektrischen Antrieb versehen kann und diese Möglichkeiten gibt es häufiger in Schwellennationen. Auch das Thema Wasserstoff ist interessant, weil der Ökostrom gerade in Indien günstiger wird, so dass der kalkulierende Busbetreiber auch in Indien auf den elektrischen Antrieb umsteigen will.