Die Zukunftsmobilisten!

Die Zukunftsmobilisten!

In dieser Podcastreihe gibt es Eins zu Eins-Interviews von Jürgen Vagt mit Akteuren der Zukunftsmobilität.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 89 Dr. Martin Hohla (Mobility Fund)

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 89 Dr. Martin Hohla (Mobility Fund)

von Jürgen Vagt 07.05.20

heute sprach ich mit Dr. Martin Hohla von Mobiliy fund. Der studierte Betriebswirt leitet heute eine Venture – Capital Gesellschaft, die sich ausschließlich mit den Themen der Zukunftsmobilität beschäftigt. Eigentlich sollte es um Elektromobilität und das autonome Fahren gehen, aber natürlich ging es erstmal um die Corona-Pandemie. Wer als Start-up jetzt noch keine Finanzierung hat, wird wohl auch erstmal keine bekommen, aber der finanzierten Start-ups sollten einfach weiter arbeiten und die Geschäftsmodelle schärfen. In der größten Pandemie seit 100 Jahren lässt sich keine Aussage über die nächsten 3 – 6 Monate treffen und die Indikatoren für die Veränderung der Mobilität bleiben ja positiv.

Unternehmerische Chancen in der Elektromobilität

Wenn man sich die unterschiedlichen Felder anschaut, dann ist Elektromobilität sehr weit. Für den deutschen Markt sind 300 elektrische Modelle angekündigt und Volkswagen als größter deutscher Autohersteller hat die Produktion im November 2019 begonnen. Trotzdem gibt es immer noch Möglichkeiten für Start-ups, weil der Komfort beim Laden des Elektroautos noch sehr schlecht ist und hier gute technische Lösungen gefragt sind. Laut Dr. Martin Hohla wird es auch weiterhin keinen Boom von neuen elektrischen Herstellern geben, allerdings gab und gibt es immer spannende Nischensegmente für neue Fahrzeugkonzepte . Für Dr. Martin Hohla sind insbesondere vergleichsweise kleine Auslieferungsfahrzeuge für die Auslieferung in Großstädten hochinteressant. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich diese Konzepte auf den großstädtischen Bereich konzentrieren werden.

Automatisiertes Fahren auch auf dem Land

In der Etablierung des automatisierten Fahrens spielen die ländlichen Räume, aber eine zentrale Rolle, weil eine einsame Landstraße wenig komplexe Fahrbedingungen bietet und solche Anforderungen kann die Technik auch schon in der Gegenwart bewältigen. Daneben bieten sich noch die Randbezirke von Großstädten an, weil auch hier einfache Fahrbedingungen herrschen und es auch tragfähige Geschäftsmodelle geben könnte, in der Vororten gibt es genug Kunden, sodass sich ausreichend viele Kunden für diese Roboter-Shuttles finden lassen. Bei LKWs ergeben sich Probleme, weil ein Unfall mit einem 40 Tonner erhebliche Unfallfolgen haben wird.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 88 Dr. Stefan Penthin (Bearing-Point)

von Jürgen Vagt 05.05.20
heute begrüßte ich Herrn Dr. Stefan Penthin von der Unternehmensberatung Bearingpoint bei den Zukunftsmobilisten und wir sprachen eine knappe Stunde über die Lage der Autoindustrie. Natürlich fing das Gespräch mit einem Lagebericht über Corona an und die Autoindustrie hat so eine Krise seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen. Die Prognosen des Absatzes müssen um 15 % bis 20 % nach unten reduziert werden und wenn eine schwere wirtschaftliche Rezession einsetzt, dann verschlechtert sich das Konsumklima immer mehr und der Neuwagenabsatz bricht noch stärker ein.

Krisenreaktion der Autoindustrie

Das Angebot muss oder sollte sich laut Dr. Stefan Penthin auch ändern, weil die internationalen Lieferketten sehr anfällig sind für Pandemien und man könnte relativ schnell die heimische Fertigung aufbauen. Gegenwärtig werden Fertigungskapazitäten nicht genutzt und so könnte man schnell die heimische Produktion hochfahren, sodass man eben unabhängiger gegenüber den internationalen Lieferketten wird. Für Dr. Stefan Penthin bleibt es fraglich, ob überall in den Autoindustrien ein Rotstift angesetzt wird. Aber diese Corona-Pandemie trifft die Autoindustrie zur Unzeit, weil die großen Innovationsthemen wie Elektromobilität, automatisiertes Fahren und Mobility as a Service gegenwärtig Geld kosten und keinen Gewinnbeitrag bringen. Alle Autohersteller und Zulieferer müssen gegenwärtig in die Elektromobilität investieren und sind noch lange von der Gewinnschwelle entfernt.

Abwrackprämie reloaded

Im Mai 2020 wird wieder eine Abwrackprämie diskutiert und es stellt sich dann die Frage, ob ausschließlich batterie- elektrische Fahrzeuge gefördert werden. Nach der Finanzkrise 2008 gab es ein Abwrackprämie, um die Autoindustrie durch die damalige Krise zu bringen. Dr. Stefan Penthin meint, dass auch in der Corona – Lage des Jahres 2020 eine Abwrackprämie einen wichtigen Beitrag leisten könnte, aber diese Prämie sollte sich nicht nur auf Elektroautos beschränken. Diese Corona-Krise muss nicht nachteilig für die Einführung des automatisierten Fahrens sein, denn bislang sind die Forschungsetats noch nicht gekürzt und fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme sind beim Kunden sehr beliebt. Alles bis zum Level 2–3 der Automatisierungsskala ist ein klares Verkaufsargument und kann der Autoindustrie wichtige Umsätze in der Krise des Jahres 2020 bringen.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 87 Prof. Dr. Claudia Kemfert (Energie - und Umweltökonomin/DIW Berlin)

von Jürgen Vagt 03.05.2020
heute durfte ich Prof. Dr. Claudia Kemfert bei den Zukunftsmobilisten begrüßen und wir sprachen über kurz über die Corana-Lage. Aber dann ging es schnell zur Elektromobilität mit der bekannten Energie – und Umweltökonomin vom deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Im Mai des Jahres 2020 ist die Abwrackprämie wieder ein Thema, weil die Corona-Pandemie eine massive Rezession verursacht und oder verursachen wird. Die Autoindustrie und deren Lobbyisten wollen Staatskohle, um die Automobilindustrie zu stützen. Die Automobilindustrie bleibt die deutsche Schlüsselindustrie, aber anderseits werden noch Dividenden trotz Corona bezahlt und in den letzten Jahren gab es reichlich Gewinne. Wenn es eine Förderung geben sollte, dann sollte es eine Mobilitätsprämie werden und nicht wieder eine Subventionierung von 2 Millionen Autokäufern durch 27 Millionen Steuerzahler. Sofern der politische Wille entstehen sollte, dann müssten Fahrräder, Bahnen und diverse Carsharingangebote gefördert werden.

Prämie für Elektroautos

Seit gut 2 Jahren gibt es ja Kaufprämie für Elektroautos, aber bislang steigt der Absatz von Elektroautos mit großen Zuwachsraten, aber bleibt immer noch auf kleinem Niveau. Das Angebot ist immer noch schlecht und unvollständig, wenn man es mit Verbrennerfahrzeugen vergleicht. Die Autoindustrie ist immer noch zu langsam und andere Hersteller geben das Innovationstempo vor, der Markthochlauf wird beginnen, wenn Elektroautos im Gesamtkostenvergleich mit den Verbrennern gleichziehen. Meine Recherchen nach schafften es die ersten asiatischen Hersteller diese Gleichheit bei den Kosten in den Modelljahrgängen des Jahres 2018 zu erreichen. Auch die deutschen Hersteller werden bald diese Kostengleichheit erreichen und dann ist Prof. Dr. Claudia Kemfert zuversichtlich, dass der Absatz von Elektroautos rasant steigen wird.

Batterie-elektrisches Fahren ist umweltverträglich

Im Jahr 2019 gab es mal wieder kritische Studien über die Umweltverträglichkeit von Elektroautos, die Pro – und Contra Argumente sind unten in den Shownotes aufgelistet. Prof. Dr. Claudia Kemfert will noch mal hervorheben, dass mit der batterie-elektrischen Mobilität die Erneuerbarkeit in den Automobilbau Einzug hält. Weil die Batterie nach dem Autoleben erneut als Notstromaggregat genutzt werden kann und dann am Ende der Nutzung können die Rohstoffe recycelt werden. Dieser Kreislauf ist es eben ökologisch besser, als Öl zu verbrennen und den Klimawandel ständig und stetig anzuheizen.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 86 Craig Davis (Ex-Tesla/ clean green fast)

von Jürgen Vagt 21.04.20

heute begrüßte ich mit Craig Davis einen erfahrenen Elektromobilisten bei den Zukunftsmobilisten und wir sprachen eine gute Stunde über die Entwicklung bei den Elektroautos. Bereits 2004 begann Craig Davis seine Karriere bei Mini und dann fing er bei Tesla an und war einer der ersten europäischen Mitarbeiter des amerikanischen Start-ups. Laut Craig Davis hat Tesla die Elektromobilität vorangetrieben und führt technologisch schon 5–8 Jahre gegenüber den traditionellen Autobauern. Aber in den 2010er Jahren erkannten auch die europäischen Hersteller die Zeichen der Zeit und jetzt in den Jahren 2018 / 2019 gibt es immer mehr elektrische Fahrzeuge von den europäischen Herstellern.

Software ist der Schlüssel zum Erfolg

Man sollte bedenken, dass Tesla eigentlich ein Softwareunternehmen ist und sich in der Tradition des Silicon Valley sieht. Software ist der Schlüssel zum Erfolg des Elektroautos beim Kunden, denn dass Elektroauto ist eben ein digitales Auto. Ob es der Komfort bei Laden und die effiziente Nutzung der Batterieleistung ist, gute Software ist ein Qualitätsmerkmal von Elektroautos. Die deutschen Hersteller haben laut Craig Davis bis 2018 die Softwarekomponente hinzugekauft und jetzt versuchen die Autohersteller diese Kompetenzen innerhalb der Konzerne aufzubauen. Die Softwarekompetenz ist neben der Batterie entscheidend und jetzt im Jahr 2020 wird es sehr teuer, wenn man den Entwicklungsvorsprung von Tesla aufholen will.

Digitales Denken und Automotive

Entscheidend bleibt aber, dass die deutschen und europäischen Hersteller anfangen digitaler zu denken und es wäre sinnvoller, wenn ein Informatiker oder Softwareentwickler Chef des Automobilverbandes werden würde. Das Maschinenbaudenken ist laut Craig Davis zu dominant innerhalb der deutschen und etablierten Autoindustrie. Die Mentalität ist schwer zu verändern, weil die Industrie in den 2010er Jahren sehr erfolgreich waren, aber die fossilen Geschäftsmodelle sind laut Craig Davis nicht mehr tragfähig und die Corona-Krise muss dazu führen, dass neue Erlösmodelle mit der Elektromobilität und digitalen Dienstleistungen aufgebaut werden. Nur so kann der Wandel glücken.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 85 Dr. Jörg Beckmann (Mobilitätsakademie AG / Swiss eMobility)

von Jürgen Vagt 20.04.20
heute war der studierte Raumplaner Dr. Jörg Beckmann zu Gast bei den Zukunftsmobilisten und wir sprachen eine knappe Stunde über die Zukunftsmobilität in der schönen Schweiz. Anfang des Gesprächs sprachen wir über die Mobilitätsakademie und deren Aufgaben. Dr. Jörg Beckmann skizziert die Herausforderung der Mobilität und egal wie man es dreht und wendet, der Verkehr muss nachhaltiger werden. Wie kann man die gegenwärtige Mobilität mit weniger Emissionen und weniger Fahrzeugen organisiert werden? Dr. Jörg Beckmann stellt ein spannendes Projekt vor, denn https://www.carvelo2go.ch/de/ ist weltweit die erste Sharingplattform für cargobikes und hieraus ist ein Unternehmen entstanden. Der Nutzer kann sich ein Cargobike leihen und man kann schon drei Menschen oder 100 Klo transportieren. Nach der Fahrt kann das Cargobike wieder an die Station zurückgebracht werden.

20000 Nutzer fürs Cargo-bike Sharing

In der Schweiz gibt es schon 20000 Nutzer und nun will man den Weg nach Deutschland gehen. Momentan gibt es vereinzelte Cargobikes in Deutschland, aber eine App-basierte Nutzerplattform wäre für Deutschland neu. Bei den PKWs entwickeln sich die Dinge so wie auch in anderen europäischen Ländern und der Tesla verkauft sich in der Schweiz sehr gut und es gab bei den Eidgenossen auch schon immer eine spannende Szene von Pionieren. In der Jahren 2019 und 2020 rechnet sich das Elektroauto auch rein finanziell im Vergleich zu den konventionellen Verbrennern. Der Markthochlauf nimmt also auch in der Schweiz Formen an.

Autonome Shuttle im ÖPNV

Die Schweiz hatte einen starken ÖPNV und dieser ÖPNV ist ein zentraler Treiber des automatisierten Fahrens. Schon in den Jahren 2016 fuhren hochgradig automatisierte Shuttles in einigen Städten der Schweiz, so wie in anderen Ländern wird auch in der Schweiz fleißig getestet. Aber die ersten automatisierten Shuttle werden auch schon im regulären öffentlichen Verkehrsbetrieb eingesetzt. Ein Technologiepark wird mittels eines voll automatisierten Shuttle an den S-Bahnverkehr der Stadt angeschlossen. Mit diesen Projekten ist man in der Schweiz schon weiter als in Deutschland.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 84 Ralf Laufenberg (RLE International)

von Jürgen Vagt 16.04.20
heute war Ralf Laufenberg zu Gast bei den Zukunftsmobilisten und wir sprachen über die Wirkung der Corona-Pandemie auf die Autoindustrie. Ralf Laufenberg ist nun seit 1993 in der Autoindustrie tätig und wir sind auf 4 Krisen in seiner Karriere gekommen. Diese Erfahrung ist nun nützlich, weil sich die negativen Wirtschaftsprognosen häufen und im April 2020 wird eine Schrumpfung des BIPs von minus 4 % bis minus 30 % diskutiert. Die Automobilindustrie als Zugpferd der deutschen Industrie wird jetzt die Prioritäten anpassen und Projekte in Nice-to have und ertragsstarke Projekte unterscheiden. Für die Elektromobilität gilt diese Abstufung nicht, weil alle großen Hersteller Investitionen getätigt haben und nun muss der Kunde kaufen, damit sich diese Investitionen rentieren. Allerdings forderte der Verband der Automobilindustrie eine Verschiebung der Klimaziele. Für Ralf Laufenberg ist diese Forderung eher kontraproduktiv.

Automatisiertes Fahren in der Warteschleife

Wenn man sich dieses Technologiefeld anschaut, dann ist noch ein weiter Weg bis zu tragfähigen Geschäftsmodellen und daher ist es sehr wahrscheinlich, dass die Investitionen für das automatisiertes Fahren zurückgefahren werden. Auch Google als Vorreiter ist noch weit entfernt, mit dem automatisierten Fahren Geld zu verdienen, zudem fehlt noch der rechtliche Rahmen und eine entsprechende gesellschaftliche Debatte über das automatisierte Fahren im öffentlichen Raum. In der beginnenden Corona-Rezession werden diese Forschungsaktivitäten zurückgefahren, sodass sich der Marktstart von automatisierten Fahrzeugen wohl mehrere Jahre hinausziehen wird.

Start-ups in der New Mobility

Spannend ist aber das Erscheinen von neuen Autoherstellern und hier ergeben sich spannende Möglichkeiten, weil etablierte Player wie Bosch und Benteler neue Plattformen anbieten und hier können Start-ups mit ein paar Millionen eigenständige Fahrzeugkonzepte entwickeln und einen Bedarf an neuen Nutzfahrzeuge decken. Auch weltweit gibt es spannende Projekte, die wie Rivian elektrische Pick-ups auf den internationalen Markt bringen. Laut Ralf Laufenberg werden wir bei den Autoherstellern ein gewisse Fragmentierung sehen und es wird in der Zukunft einige kleinere Hersteller geben, die sehr flexible Fahrzeugkonzepte anbieten werden.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 83 Susanne Schuldt (BVG/See-Meile)

von Jürgen Vagt 14.04.20

heute war Susanne Schuldt von der BVG zu Gast bei den Zukunftsmobilisten und wir sprachen über die Integration von automatisiertes Fahrzeugen in den Betrieb von Verkehrsbetreibern. Am Anfang des Gespräches ging es die Evolution der automatisierten Shuttle. Noch vor wenigen Jahren wurden die automatisierten Fahrzeuge auf abgeschlossenen Arealen wie der Klinik Charité erprobt, aber jetzt im Jahr 2020 geht es mit Ausnahmeregelungen schon in den richtigen Straßenverkehr. Man versucht komplexere Fahrsituationen mit automatisierten Fahrzeugen zu erproben. Im Jahr 2020 ist ein hektischer Stadtverkehr mit vielen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern und einem dynamischen Verkehrsfluss noch zu schwierig, deswegen konzentriert sich die BVG und auch andere Verkehrsgesellschaften auf die Randlagen der Städte. Laut Susanne Schuldt soll das automatisierte Fahren eine Ergänzung zum bestehenden ÖPNV bleiben, man will sich auf Randgebiete der Großstädte konzentrieren.

Mobilty-Hubs in der Zukunftsmobilität

Diese automatisierten Shuttles sollen sich mit Mobility-Hubs ergänzen, bei Mobility Hubs wird das Konzept des Verkehrsknotenpunktes weitergedacht. An einem gut besuchten S-Bahnhof werden heute deutlich mehr Optionen geboten, also man kann einen Roller, ein Fahrrad oder ein Sammeltaxi nutzen. Diese Vielfalt hat es vor wenigen Jahren nicht gegeben und wahrscheinlich kommen bald das automatisierte Shuttle hinzu. Ein Zukunftsthema für Verkehrsgesellschaften bleibt die Ausgestaltung dieser neuen Mobility-Hubs und die Nutzer gewöhnen sich an die neuen Formen der Mobilität und auf diese verändernden Nutzungserfahrungen muss man als Verkehrsgesellschaften einstellen.

Automatisierte Shuttle und BVG

Natürlich sind On-Demand Angebote mit automatisierten Shuttle noch Zukunftsmusik, aber gegenwärtig wird auf der See-Meile in Alt-Tegel werden die ersten Fahrzeugtypen erprobt. Wie passen die ersten automatisierten Shuttle in den Betrieb einer Verkehrsgesellschaft und wie müssen sich diese Fahrzeuge weiterentwickeln. Die hochgradig automatisierten Fahrzeuge müssen komplexe Fahrsituationen trainieren und die BVG muss lernen, wie diese automatisierte Fahren in die betrieblichen Abläufe passt, z. B. muss die Rolle des Fahrers neu gedacht werden. Dann stellt sich die Frage, wie diese Angebote in die bestehenden Prozesse eingebunden werden.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 82 Patrick Schaufuss (Mc Kinsey)

von Jürgen Vagt 30.03.20

heute konnte ich Patrick Schaufuss von Mc Kinsey begrüßen und Patrick Schaufuss befasst sich schon seit 2009 mit Elektromobilität in verschiedenen Facetten. Der studierte Maschinenbauer berät bei Mc Kinsey Autohersteller und andere Institutionen auf dem Weg ins elektromobile Zeitalter. Am Anfang des Gesprächs haben wir eine Bestandsaufnahme der Elektromobilität gemacht und es bildete sich der Konsens aus, dass das Angebot an Elektroautos immer besser wird, aber das Öko-System ums Elektroauto hat noch seine Defizite. Die Ladeinfrastruktur wird im März des Jahres 2020 dominiert von vielen kleineren Anbietern und in der Gegenwart des Jahres 2020 erinnert dieser Markt an den Mobilfunk der frühen 1990er Jahre. Zwar gibt es die ersten größeren Anbieter, aber die Kostenstrukturen machen wohl eine Konsolidierung in den nächsten Jahren sinnvoll. Aus Kundensicht wäre es sicher sinnvoll, weil man eben gewöhnt ist, dass man mit einen Anbieter und mit einer nachvollziehbarer Preis-Leistungs Relation so wie beim Mobilfunk hat.

Elektrische Fahrzeuge in die Flotte

Aber im Jahr 2020 stellt sich die Frage, wie Unternehmen den Einstieg ins elektromobile Zeitalter schaffen. Aktuell stellt sich das Thema, wie die Innenstadtbelieferung elektrisch organisiert werden soll. Hier müssten erstmal sehr große Investitionen im Millionenhöhe getätigt werden und diese Aufgabe wird wohl schon in den nächsten Jahren angegangen werden, auch weil die Städte den Verbrenner aus den Städten vertreiben will. Am Abschluss der Diskussion ging es noch mal um den Wasserstoff, dem Klassiker in der Debatte um alternative Antriebe. Zwar sind die Wirkungsketten immer noch schlecht, sodass der batterie- elektrische Antrieb seine Berechtigung hat, aber im LKW-Betrieb also auf der Langstrecke ist Wasserstoff eine sinnvolle Option. Bei Lkws ist der batterie- elektrische Abtrieb ineffizient, weil die Batterie zu viel Ladevolumen wegnimmt. Bei diesem Szenario macht der Wasserstoffantrieb Sinn und wird erprobt. Zudem kann man Wasserstoff sehr leicht transportieren und daher bekommt eine alte Idee wieder Aufwind. Warum sollten man nicht in riesigen Solarparks in der Wüste Wasserstoff gewinnen und per Schiff in die Industrienationen bringen.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 81 Timm Kellermann Consulting4Drive

von Jürgen Vagt 25.03.20
heute war Timm Kellermann von der Unternehmensberatung https://www.consulting4drive.com/ zu Gast bei den Zukunftsmobilisten. Timm Kellermann verbrachte sein gesamtes Berufsleben in der Automotive-Welt und seit 2007 hat er die Unternehmensberatung consulting4drive mit aufgebaut. Am Anfang des Gespräches ging es um die Elektromobilität und wir haben eine Bestandsaufnahme des Jahres 2020 gemacht. Das Elektroauto ist im Allgemeinen dem vergleichbaren Verbrenner ebenbürtig, in 3–6 Jahren werden wohl alle Elektroautos in der Totalkostenbetrachtung einen Gleichstand mit den vergleichbaren Verbrennern erreicht haben. Momentan ist das Öko-System um das Elektroauto ein Problem, weil der Kunde noch nicht den gleichen Komfort hat wie den Verbrennern hat. Hier müssen neue Tools entwickelt werden, damit man das Elektroauto komfortabler wird.

Globale Märkte und Elektromobilität

Aber Timm Kellermann brachte auch die internationalen Perspektiven in die Diskussion ein, weil es in vielen Schwellennationen lange Distanzen gibt, sodass es keinen Sinn macht, wenn in Asien und Südamerika flächendeckend Ladesäulen aufgebaut werden. In diesen Anwendungen kommt das Thema Wasserstoff zum Zuge und für Timm Kellermann wird Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe ein Bestandteil der Zukunftsmobilität sein. Beide Antriebskonzepte haben immer noch eine schlechte Wirkungsbilanz, aber beiden Antriebskonzepte können auch als Energiespeicher in der Energiewende fungieren. Die temporäre Speicherung von Energie wird beim Ausbau der erneuerbare Energien immer wichtiger und hier könnten beide Konzepte einen wichtigen Beitrag leisten.

Automatisierte Fahrzeuge in die Praxis

Aber natürlich zeigt sich auch noch das Thema automatisiertes Fahren im Alltag der Unternehmensberatung. Für Timm Kellermann ist es entscheidend, dass man jetzt anfängt, in diesem Feld zu lernen und sich einen Wettbewerbsvorteil in diesem Zukunftsfeld zu erarbeitet. Die Version eines voll automatisierten Autos in Privathand in wenigen Jahren ist für Timm Kellermann unrealistisch, aber auf abgesperrten Bereichen wie Fabrikgeländen und Universitätskliniken gibt es schon automatisierte Fahrzeuge. In den letzten Jahren gibt es immer mehr Modellvorhaben , die im öffentlichen Raum automatisierte Shuttle erproben.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 80 Dr. Joachim Bühler Verbandes der TÜV e. V.

von Jürgen Vagt 24.03.20
heute war Dr. Joachim Bühler zu Gast bei den Zukunftsmobilisten und Dr. Joachim Bühler ist Geschäftsführer der Dachorganisation von den TÜV-Organisationen. Daher ging es um die Sicherheitsthemen der Zukunftsmobilität. Der TÜV muss sich mit der Elektromobilität und dem automatisierten Fahren und der Digitalisierung des Autos beschäftigen und am Anfang des Gespräches gegen es ums automatisierte Fahren. In der Fachwelt stellt sich die Frage, wie das automatisierte Fahren zugelassen werden soll. Der TÜV hat eine Umfrage über die Akzeptanz des automatisierten Fahrens gemacht und die Deutschen wollen ein immens hohe Sicherheit. Die Umfrage ergab, dass die Deutschen höhere Ansprüche an die Sicherheit der Algorithmen stellen als bei menschlichen Fahrern.

Automatisierte Autos auf die Straße

Natürlich wird es eine Debatte geben über die gesellschaftliche Akzeptanz des automatisierten Fahrens geben, aber gegenwärtig muss der Bund die Anforderungen für den Speicher des automatisierten Fahrens bestimmen. In diesem Speicher wird aufgezeichnet, wann der menschliche Fahrer und wann das automatisierte Auto die Verantwortung hat. Mit diesem Speicher kann eben geklärt werden, ob der Fahrer oder ob das automatisierte Auto den Fehler gemacht hat und damit entscheidet sich welche Versicherung zahlen muss. Hier wartet man auf die Entscheidung des Bundes und dann kann man langsam, aber sicher in Richtung der Level 3 oder Level 4 Fahrzeuge gehen. Gegenwärtig gibt es diesen Level und dieses Maß von automatisierten Fahrens noch nicht auf deutschen Straßen.

Der TÜV wird digitaler

Der Softwareanteil im Auto steigt stetig und früher waren es nur Komfortfeatures, aber in den letzten Jahren werden es immer Funktionen, welche sicherheitsrelevant sind. Die Aufgaben des TÜVs teilen sich, denn einerseits bleibt die Hardware und deren Prüfung genauso wie es in der Vergangenheit, aber die Software und deren Updates machen neue Prüfverfahren notwendig. Alleine Tesla spielt in der Woche ein paarmal neue Updates auf ein Auto, aber die Befürchtung, dass der Autobesitzer ein paar Mal in der Woche zum TÜV muss, ist unberechtigt. Hierfür will der TÜV eine Cloud einrichten, um die Daten des Autos zu überprüfen.