Die Zukunftsmobilisten!

Die Zukunftsmobilisten!

In dieser Podcastreihe gibt es Eins zu Eins-Interviews von Jürgen Vagt mit Akteuren der Zukunftsmobilität.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 101 Thomas Puls (Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V.)

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 101 Thomas Puls (Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V.)

von Jürgen Vagt 12.11.20
heute begrüßte ich Thomas Puls von Institut der deutschen Wirtschaft und der studierte Volkswirt gab erstmal einen Überblick über die verschiedenen Antriebsarten. Seit 18 Jahren begleitet Herr Thomas Puls die Mobilitätswirtschaft und es gab immer wieder neue Antriebskonzepte, aber wenn man im November 2020 sich umschaut. Dann gibt es den batterie- elektrischen Antrieb und dieser Antrieb hat bei Pkws Marktreife erreicht. Die Hersteller kündigen immer voll elektrischen Fahrzeugen an, alleine Volkswagen will bis 2025 70 batterie- elektrischen Fahrzeuge auf den Markt bringen. Aber auch E-Fuels werden in den letzten paar Jahren stärker diskutiert. In den Shownotes sind ein paar Links aufgelistet, die einen kleinen Überblick über das Thema E-Fuels liefern. Bei E-Fuels wird auf synthetische Weise Kraftstoff erzeugt und so entsteht Kerosin und Benzin, dass ganz normal in die konventionellen Verbrenner und Düsenantrieben verbrannt wird. Die synthetische Kraftstoff wird dann CO2-neutral sein. Aber beim gegenwärtigen Stand der Technik ist der Kraftstoff zu teuer für einen massenhaften Einsatz und die Energiebilanz ist schlecht.

E-Fuels und Wasserstoff

Bei E-Fuels muss erst viel Energie aufgewendet werden, damit Kraftstoff entsteht, um Fahrzeuge anzutreiben. Zwar gibt es die ersten Tests auch von der Großindustrie, aber grundsätzlich kann man sagen, dass Technik nicht ausgereift ist. Aber die grobe Richtung ist klar, man muss sich von dem Gedanken lösen, dass ein Kraftstoff die gesamte Mobilität befeuert. Laut Thomas Puls wird die Mobilität immer vielfältiger, auch Wasserstoff hat eine schlechte Energiebilanz, aber in dem Schwerlastverkehr hat der Wasserstoff seine Berechtigung. Auch bei Wasserstoff gilt, dass man immens viel Energie aufgewendet werden muss, damit Wasserstoff als Kraftstoff vorliegt. Bei Lkws sind batterie- elektrischen Antriebe nicht einsetzbar, weil die Batterien für den Lkw zu groß sind, sodass zu viel Ladefläche verloren geht. In diesen Anwendungsbereichen hat der Wasserstoff seine Berechtigung und manchen Gegenden der Welt sind die Entfernungen zu lang und daher sollten Wasserstoffantriebe hier etabliert werden. Aber auch bei den batterie- elektrischen Antrieben kann noch viel Veränderung kommen.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 100 Dorothee Saar (Deutsche Umwelthilfe)

von Jürgen Vagt 26.10.20
heute kamen wieder mal die Umweltverbände bei den Zukunftsmobilisten zu Wort , weil Dorothee Saar von der Umwelthilfe zu Gast war. Die Umwelthilfe spielte während des Dieselskandals eine zentrale Rolle und für die gesamte Gesellschaft war der Dieselskandal eine Landemarke. Selbst den automobilen Laien war klar, dass der Diesel kein Potenzial mehr hat, um die schärfer werdende Umweltstandards gerecht zu werden. Nach dem Dieselskandal war die Richtung klar, die Antriebswende muss kommen und wird kommen. Selbst Laien verstehen diesen Trend und die Autohersteller bringen in den letzten Jahren immer mehr elektrische Fahrzeuge auf den Markt. Aus Sicht der Umweltverbände ist diese Entwicklung nicht unproblematisch, da wären einerseits die Plug-in-Hybride. Diese Fahrzeuge haben zwei Antriebe in einem Fahrzeug und damit ist dieser Fahrzeugtyp sehr schwer und Sie haben nur eine kleine Benzinersparnis gegenüber dem vergleichbaren Verbrenner. Die Energiebilanz muss ein zentrales Thema für das Elektroauto werden, denn wenn sich die elektrischen Fahrzeuge am Markt durchsetzen. Dann wird das Elektroauto der größte Stromverbraucher im Haushalt und man bräuchte aus Sicht der Umwelthilfe eine Energieampel.

Der Verkehr in den Großstädten

Laut Dorothee Saar muss das Auto aus den Innenstädten vertrieben werden, in einigen Städten wie Berlin gibt es die ersten Planungen den Autoverkehr aus der Innenstadt zu verbannen. Das Parken ist in deutschen Städten immer noch sehr günstiger als in anderen europäischen Städten und damit wäre die Stellschraube für Dorothee Saar klar. Der Preis für den Raum in den Innenstädten muss steigen, damit der Radverkehr und der ÖPNV sich besser entfalten kann und für mehr Menschen attraktiv wird. Corona hatte für die Menschen unterschiedliche Wirkungen, einerseits ist der Verkehr in den Städten zurückgegangen, aber anderseits wollten die Menschen den ÖPNV nicht nutzen, weil Sie Angst vor einer Ansteckung hatten. Das Auto und der Individualverkehr hatte in der Pandemie Aufwind und man wird sehen, wie sich die Verkehrswende nach der Pandemie weiter entwickeln wird.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 99 Prof. Dr.-Ing. Johannes Schlaich (Beuth Hochschule für Technik Berlin)

von Jürgen Vagt 22.10.20
heute ging es in die Wissenschaft, weil sich Prof. Dr.-Ing. Johannes Schlaich die Ehre gab. Wir sprachen ein gute 3/4 Stunde über die Zukunft der Mobilität. Am Anfang des Gespräches ging es erstmal um die Elektromobilität und trotz der Corona-Pandemie steigen die Absatzzahlen. Wir wollten eigentlich in diesem Gespräch das nervige C-Wort meiden, weil die Berichterstattung über Corona nervt. Aber selbst in dieser Pandemie steigert sich der Absatz von Elektroautos, allerdings wird es wohl noch 10 Jahre dauern bis Elektroautos zum Standard auf unseren Straßen gehören. Wenn man sich die jetzigen Neuwagenpreise und den leergekauften Gebrauchtwagenmarkt anschaut, dann wird man auf den Markthochlauf warten. Auf kleinen Niveau steigt der Absatz aber gewaltig und insbesondere in Großstädten ist die gegenwärtige Großserientechnik absolut ausreichend. Wenn man bedenkt, dass man ein komplett elektrischen Kompaktwagen für 30000 – 40000 € bekommt und eben so ein Fahrzeug hat schon ein Reichweite von 350 – 400 Kilometer.

Automatisiertes Fahren und die Verkehrsteuerung

Das autonome Fahren kommt mit 7 Meilen Stiefeln und in Phoenix ( Arizona) fahren die ersten Roboter-Taxis und sind für die Öffentlichkeit nutzbar. Laut Prof. Dr.-Ing. Johannes Schlaich zeigen, aber die ersten Studien, dass man als Stadt die Steuerung überlegen sollte. Die Nutzer wollen den eigenen Nutzen optimieren, aber die Stadt als Regulator muss oder sollte so reagieren. Sonst sorgen autonome Shuttle für mehr Verkehr in den Städten und so etwas will die Gesellschaft nicht mehr. Aber laut Prof. Dr.-Ing. Johannes Schlaich wird man auf einen Einsatz von autonomem Shuttle noch mindestens 5 Jahre warten.
Die politische Linie wird immer klarer, dass das Verbrennerauto aus den Innenstädten raus soll und durch elektrische Fahrzeuge ersetzt werden soll. Allerdings ist Carsharing in den letzten Jahren noch in den Anfängen stecken geblieben und man wird sehen, wie schnell sich die Innovation Elektromobilität in den Städten durchsetzen wird. Bleibt festzuhalten, dass sich sehr viel in der Mobilität ändert, noch vor 10 Jahren hat der ÖPNV den Markt alleine bedient und heute kommen immer mehr privatwirtschaftliche Akteure wie Uber oder Share Now hinzu.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 98 Dr. Mario Herger (Innovationsstratege/ Silicon Valley)

von Jürgen Vagt 08.10.20
heute war Dr. Mario Herger zum zweiten Mal zu Gast bei den Zukunftsmobilisten und wieder mal gab es Insights aus dem Silicon Valley. Gerade heute begann der Markthochlauf in Phoenix und nun kann jeder Einwohner dieser Stadt im Bundesstaat Arizona, sich per App ein Robotertaxi von der Google-Tochter Waymo buchen und eine Fahrt unternehmen. Also am 08.10.20 nach Christi Geburt und eben nicht erst in 10 oder 20 Jahren. Diese Nachricht wird vielen in Deutschland nicht passen, denn nun beginnt der Hochlauf des automatisierten Fahrens in den USA. Und wir kennen diese Entwicklung von anderen digitalen Innovationen, erst verbreitet sich die Innovation in einigen Städten in den USA und dann kommt die Innovation nach Europa. Das Tempo ist beeindruckend und überrascht auch die Optimisten.

Corona und New Mobility

Wie auf jeden anderen Wirtschaftsbereich lähmt Corona den Optimismus und während in Deutschland über die ersten Massenentlassungen in der Automobilwelt diskutiert werden, beginnen Amerikaner jetzt schon in Phoenix den Markthochlauf. Mit der Elektromobilität kann man diesen Mechanismus sich anschauen, denn Elon Musk baut nun in Brandenburg seine erste deutsche Batteriefabrik und legt ein gewohnt schnelles Tempo vor. Jetzt entsteht wenigstens unter amerikanischer Führung ein Batteriecluster in Brandenburg und vielleicht kommen die deutschen Hersteller in Bewegung. Aber Tesla hat technisch gesehen einen großen Vorsprung und Honda Ingenieure haben einen Tesla auseinander gebaut und sind zur Meinung gelangt, dass Tesla einen Vorsprung von 6 Jahren gegenüber dem Rest der Automobilindustrie hat. Zudem werden die Tesla-Fahrzeuge immer automatisierter und auch hier wächst der Fortschritt gegenüber dem Rest der Automobilwelt. Technologisch scheint Tesla das Rennen gemacht haben, aber für den Autokäufer wird das Angebot immer besser. Dr. Mario Herger hat viele neue Elektroautos getestet und auch die europäischen Hersteller bringen immer mehr überzeugende batterie- elektrische Fahrzeuge auf den Markt und in den nächsten Jahren wird der Markthochlauf beginnen. Selbst in der Corona-Phase mit dem globalen Lockdown stiegen die Marktanteile der elektrischen Fahrzeuge.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 97 Prof. Dr. Tobias Hagen ReLUT (Research Lab for Urban Transport)

von Jürgen Vagt 01.10.20
ich begrüßte Prof. Dr. Tobias Hagen und er ist Professor für Volkswirtschaft, wir haben dann 45 Minuten über die Corona-Lage in der Logistik gesprochen. Prof. Dr. Tobias Hagen hat eine ganz aktuelle Studie über die Auswirkungen der Pandemie auf den Logistiksektor erstellt und wir sprachen über diese Ergebnisse. Als Bestandsaufnahme kann man festhalten, dass es seit dem Zweiten Weltkrieg keinen so großen Einbruch in der Mobilität gegeben. Die zurück gelegten Bewegungskilometer sind eingebrochen, dass Fahrrad hat einen massiven Aufschwung erlebt, aber das Auto wurde auch ein bisschen beliebter. Die Bahn und der ÖPNV sind natürlich ein Verlierer und die Passagierzahlen sind massiv zurückgegangen und die Deutschen sind im Durchschnitt auch nur bereit 10 € mehr zu zahlen, damit Plätze in der Bahn frei bleiben und einen corona- bedingten Sicherheitsabstand einzuhalten. So eine Lösung wird sich also für die Bahn oder den ÖPNV nicht rechnen. Es bleibt aber also für die großen Personenlogistiker schwierig, aber in der Güterlogistik sind die Gewinner der Coronapandemie.

Corona und die Logistik

Es ging durch alle Medien und es ist auch einfach nur logisch, weil die Geschäfte geschlossen haben, hatte der Onlinehandel einen massiven Zuwachs. Aber es profitieren eher die Kurierdienste in den Städten, die größeren Speditionen stehen in einem harten Wettbewerb und haben nur geringe Margen. Gegenwärtig hat der Gesetzgeber einen Schutzraum für Unternehmen geschaffen, sodass es keine ode wenige Insolvenzen bis zur Jahresmitte 2021 geben wird. Aber die gegenwärtige Lage wird in Insolvenzen in der gesamten Wirtschaft und eben auch in der Logistik erzeugen. Aber ein Thema hat an Bedeutung gewonnen, denn der Trend zum Homeoffice wird sich weiter verstärken und diese Entwicklung wird erhebliche Auswirkungen auf die Mobilität haben. Die Menschen brauchen keinen Diesel mehr, sondern können sich ein Elektroauto kaufen. Zudem müssen sich die Anbieter des Pendlertransportes umstellen, das betrifft als die Bahn und den ÖPNV und hier wird es Überkapazitäten geben. Vielleicht gibt es jetzt auch einen neuen Trend zum Leben auf dem Land, weil man zu Hause ausarbeiten kann.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 96 Prof. Dr. Dr. hc Sahin Albayrak - DAI-Labor

vom 15.09.20 Jürgen Vagt
heute begrüßte ich einen ausgewiesenen Experten in Sachen künstliche Intelligenz, da Professor Sahin Albayrak dieses Technologiefeld an der technischen Universität Berlin erforscht. Am Anfang des Gespräches ging es um die Durchbrüche in der künstlichen Intelligenz in den letzten 15 Jahren und eben diese Durchbrüche ermöglichen es, dass man langsam aber sicher das Auto automatisieren kann. Objekte erkennen und entsprechende Fahrentscheidungen zu treffen, sind gegenwärtig möglich. Aber bevor man über das autonome Auto spricht, muss man über die Digitalisierung des Verkehrs sprechen. Laut Sahin Albayrak müssen drei Veränderungen der bestehenden Infrastruktur angegangen werden. Verkehrsampeln müssen mit entsprechenden Sende – und Empfängeranlagen ausgestattet werden, sodass eine Kommunikation zwischen den Fahrzeugen und den Ampelanlagen entstehen kann. Damit wäre eine intelligente Verkehrssteuerung möglich und wenn der Parkraum digitalisiert wird, entsteht noch weiteres Einsparpotenzial, weil 30 % aller Verkehre in Großstädten Such verkehre sind. Also entstehen 30 % aller Verkehrsbewegungen, weil jemand einen Parkplatz sucht.

Autonomes Fahren in Großstädten

Hier könnte man sehr schnell mit einer digitalen Parkraumsteuerung gewisse Effizienzpotenziale in den Städten heben und Großstädte entlasten. Seit 2015 beginnen weltweit erste Modellvorhaben und Tests mit automatisierten Kleinbussen und auch in Deutschland wird fleißig getestet. Die Fahrzeuge werden immer intelligenter und automatisierter und es werden immer komplexere Fahranforderungen bewältigt. Gegenwärtig wird der komplexe Stadtverkehr noch gemieden, aber die einfachen und überschaubaren Verkehrsbedingungen am Stadtrand sind schon machbar und können mit dem gegenwärtigen Stand der Technik bewältigt werden. Zudem wird die relevante Sensortechnik immer günstiger, sodass die Zeichen auf Markthochlauf stehen, allerdings müssen eben auch noch technologische Herausforderungen bewältigt werden. Volkswirtschaftlich ist das Thema wichtig, denn Deutschland ist abhängig vom Auto und für Sahin Albayrak stellt sich die Frage, ob die börsennotierten deutschen Autohersteller den langen Atem für diese Zukunftsentwicklung haben. Tesla ist das mahnende Beispiel in Sachen Elektromobilität und nun stellt sich die Frage, ob Deutschland die führende Automobilnation bleibt. Der Bund sollte die Vernetzung der beteiligten Akteure verstärken.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 95 Prof. Dr. Marianne Reeb, Zukunftsforscherin, Mercedes-Benz AG

von Jürgen Vagt 04.06.2020

heute begrüßte ich Frau Prof. Dr. Marianne Reeb von Mercedes-Benz und wir sprachen ein gepflegte halbe Stunde über die Zukunft des Verkehrs in den Städten. In den 2010er Jahre wabert die Version der Smart City durch diverse Management-Konferenzen und im Kern ging es um das Gleiche. Über einen Algorithmus steuert man den Verkehr in der Stadt und der Energieverbrauch wird ebenfalls über einen Algorithmus gesteuert und beide Systeme können so viel effizienter gestalten werden. Frau Prof. Dr. Marianne Reeb hat diese Visionen am Anfang erstmal eine Absage erteilt, weil Städte soziale Gebilde sind und auch in der Zukunft bleiben werden. Aber auf der anderen Seite gibt es natürlich vielversprechende Technologien wie das automatisierte Fahren und diese Technologie dominiert, den Fachdiskurs der letzten Jahre. Wenigstens testweise kann man schon in Berlin diese Roboter-Taxis sehen und wenn man einigen Zukunftsdenkern glaubt, dann wird dem automatisierten Fahren die Zukunft gehören.

Automatisiertes Fahren gehört in Stadt

Die Grundidee hinter dem automatisierten Fahren ist ja einfach, dass die gleichen Bewegungskilometer mit weniger Fahrzeugen bewältigt werden kann, weil diese Fahrzeuge effizient gesteuert werden und so rund um die Uhr in Bewegung sind. Das gegenwärtige Auto steht ja 23 Stunden am Tag und diese Zeitrelation wird sich umdrehen. Aber um diese Zukunftsversion umzusetzen, muss sich noch viel in Sachen Infrastruktur ändern. Ein Blick nach China hilft weiter, weil in China die Städte neu aufgebaut werden können und hier kann man sich schon auf neue Technologien einlassen. Aber auch in Europa mit den gewachsenen Städten wird sich früher oder später diese Technologie durchsetzen oder zu einem gewissen Maße etablieren. Es gibt die ersten Modellvorhaben wie bei der Olympiabewerbung der Rhein-Ruhr-Region und bei zukünftigen Verkehrskonzepten müssen neue Verkehrskonzepte wie das automatisierte Fahren mit gedacht werden. Wie kommt das automatisierte Fahren in die Städte der Zukunft, nun erst einmal muss der Staat einen regulativen Rahmen setzen!

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 94 Prof. Dr. Carsten Schultz (CAU Kiel)

von Jürgen Vagt 03.06.20
heute ging es mit den Zukunftsmobilisten Richtung Norden und ich habe mit Prof. Dr. Carsten Schultz gesprochen, weil das Thema automatisiertes Fahren auch an Albrechts-Universität erforscht wird. Prof. Dr. Carsten Schultz ist Professor für Technologiemanagement und Technologiemanagement ist eine Teildisziplin der Betriebswirtschaftslehre. Wie werden aus neuen Technologien tragfähige Geschäftsmodelle und hier muss das automatisierte Fahren noch einen weiten Weg gehen bis man als Unternehmen mit dieser Technologie Geld verdienen kann. Aber diese Technologie verspricht sehr große Effizienzpotenziale und innerhalb der Mobilitätswirtschaft ist das Thema in den letzten Jahren dominierend geworden. Die Automatisierung des Autos schreitet massiv voran, aber ob wir schon in den nächsten Jahren vollständig automatisierte Fahrzeuge sehen, bleibt für Prof. Dr. Carsten Schultz fraglich.

Skepsis gegenüber dem schnellen Markthochlauf

In der gesamten Podcastreihe zeigt sich, dass der Optimismus gegenüber einem schnellen Markthochlauf des automatisierten Autos verflogen ist und insbesondere glaubt kaum einer der Experten, dass das hochgradig oder vollständig automatisierte Auto von Privatleuten genutzt werden könnten. Auch Prof. Dr. Carsten Schultz erwartet einen Markthochlauf im ÖPNV, es geht erst einmal um den Einsatz von hoch automatisierten Fahrzeugen im Umland von großen Städten. Aber es sind auch verschiedene Logistikanwendungen denkbar und wenn man schon mal einen Kieler Professor am Mikrofon hat, geht es auch um die Schifffahrt und in der Tat gibt es die ersten Modellversuche. Aber so einfach ist die Etablierung des automatisierten Fahrens auf dem Wasser nicht, weil der Wellengang und die Strömung beachtet werden müssen, damit man die Steuerung einer Fähre oder eines Boots automatisieren kann. Aber eigentlich ist die Herausforderung ein Schiff automatisiert zu steuern sehr einfach und in Norwegen fahren auch die ersten hochgradig automatisierten Schiffe fahren in den Fjorden von Norwegen. Laut Herrn Prof. Dr. Carsten Schultz wird es erstmal hochgradig automatisierte Lkws geben, weil der ökonomische Anreiz sehr hoch ist und die heutige Technik einen automatisierten Lkw-Betrieb möglich machen würde.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 93 Lukas Neckermann (Neckermann Strategic Advisors)

von Jürgen Vagt 19.05.20

heute begrüßte ich mit Lukas Neckermann einen erfahrenen Strategieberater und seit 2013 ist Lukas Neckermann selbstständig und berät die Akteure in der Mobilitätswirtschaft. In den letzten 7 Jahre war Lukas Neckermann mit den Themen Elektromobilität und automatisierten Fahren unterwegs. Laut Lukas Neckermann ist das Thema Elektromobilität bei den Autoherstellern am Anfang zur kurz gedacht worden. Die Veränderung ist viel größer als einfach nur den Antrieb auszuwechseln, weil die gesamte Infrastruktur um das Auto umgebaut werden muss. Alleine das Tanken wird sich grundlegend ändern und in der Tat bauen Filialketten immer mehr Ladestationen auf. Die großen deutschen Discounter wie Aldi, Lidl aber auch Fast-Food-Ketten wie MC Donalds bauen heute fleißig die Ladestationen aus.

Neue Kooperationen mit der Elektromobilität

Es stellt sich auch immer mehr die Frage, ob Kooperationen zwischen Energieversorgern und der etablierten Erdölindustrie sinnvoll wären. Wenn diese Branchen sich zusammentun, dann hätte man den Strom und die Ladetechnik an verkehrsgünstigen Lagen, aber bislang gibt es noch massive Berührungsängste und der Markthochlauf beginnt langsam aber sicher. Auch in Corona-Zeiten steigt die Nachfrage nach Elektroautos und auch wenn diese Pandemie den Autoabsatz durcheinander wirbelt, gehört dem Elektroauto die Zukunft.

Automatisiertes Fahren bleibt ein Thema

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Wirtschaft und eben auch die Autoindustrie und das voll automatisierte Fahren wird wohl noch ein bisschen auf sich Warten lassen. Aber die Fahrerassistenzsysteme bis zum Level 2 also die teil autonomen Funktionen des Autofahrens sind beim Käufer populär und sollten laut Lukas Neckermann Standard bei Neuwagen werden. Am Ende des Gespräches haben wir die Szenarien für das automatisierte Fahren entwickelt und die Entwicklung geht von niedrigen Geschwindigkeitsbereichen aus und wird dann Verkehrsbereiche mit höheren Geschwindigkeitsbereichen erfassen. Aber in den nächsten Jahren werden es wohl noch Bereiche mit geringen Geschwindigkeiten und abgesperrte Arealen bleiben, erst mittelfristig geht es in die Richtung des öffentlichen Verkehrs. Natürlich wird es noch in den Deutschland eine große gesellschaftliche Debatte geben um die rechtliche Behandlung des automatisierten Fahrens geben.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 92 Arne Behrensen Cargo-bike.jetzt

von Jürgen Vagt 25.05.20
ein kleines, aber wachsendes Segment der Zukunftsmobilität sind Cargo-Bikes und bei Familien werden Cargo-Bikes immer beliebter. Arne Behrensen begleitet als Blogger und Berater dieses Thema seit 5 Jahren und deswegen war Arne Behrensen heute zu Gast bei den Zukunftsmobilisten. Am Anfang sprachen wir über Cargo-Bikes in der professionellen Logistik gesprochen und gibt es wichtige Modellvorhaben. Cargo-Bikes werden auch schon seit ein paar Jahre von etablierten Logistikerin in den Großstädten eingesetzt. UPS hat in einem Modellvorhaben in Hamburg gezeigt, dass man die gleiche Beförderungsleistung innerhalb von Innenstädten erreichen kann, wenn man auf Cargo-Bikes einsetzt. Es ist nur noch ein Transporter notwendig, aber 9 herkömmliche Transporter können mühelos durch Cargo-Bikes ersetzen werden. Elektrische Fahrräder waren ja auch schon in den 2010er Jahren populär und von diesem Trend profitieren auch die Cargo-Bikes. Zudem ist das Angebot bei professionellen Cargo-Bikes besser als bei elektrischen Personenkraftwagen.

Innenstädte als Einsatzgebiet

Cargo-Bikes bieten also die Möglichkeit, vergleichsweise große Transporter zu ersetzen, sodass kleinere Fahrzeuge in Innenstädten unterwegs sind und mehr Cargo-Bikes wirken so gegen den Stau und die CO2-Emissionen in den Innenstädten. Es muss also nicht immer Hightech sein, sondern ein Fahrrad mit elektrischem Antrieb kann den Innenstadtverkehr nachhaltiger machen. Aber auch bei diesen Fahrzeugbauern wird testweise erprobt, wie man Cargo-Bikes automatisiert fahren lassen kann und die ersten Start-ups gibt es auch schon. Große Kommunen wollen früher oder später die Verbrenner aus den Innenstädten vertreiben und elektrische Cargo-Bikes sind eine sehr gute Option.

Cargo-Bikes für Familien

Aber wirklich erfolgreich sind Cargo-Bikes im privaten Einsatz und viele Familien haben in Großstädten das eigene Auto abgeschafft. Große Cargo-Bikes können einen Kleinwagen ersetzen, weil bis zu 100 Kilogramm zugeladen werden kann. Cargo-Bikes sind auch kleiner als Kleinwagen, sodass man einfacher einen Parkplatz findet. Kinder können problemlos mitgenommen werden. Auch für Gewerbetreibende sind Cargo-Bikes ein Thema, weil man besser und schneller Güter in der Innenstadt ausliefern kann.