Die Zukunftsmobilisten!

Die Zukunftsmobilisten!

In dieser Podcastreihe gibt es Eins zu Eins-Interviews von Jürgen Vagt mit Akteuren der Zukunftsmobilität.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 95 Prof. Dr. Marianne Reeb, Zukunftsforscherin, Mercedes-Benz AG

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 95 Prof. Dr. Marianne Reeb, Zukunftsforscherin, Mercedes-Benz AG

von Jürgen Vagt 04.06.2020

heute begrüßte ich Frau Prof. Dr. Marianne Reeb von Mercedes-Benz und wir sprachen ein gepflegte halbe Stunde über die Zukunft des Verkehrs in den Städten. In den 2010er Jahre wabert die Version der Smart City durch diverse Management-Konferenzen und im Kern ging es um das Gleiche. Über einen Algorithmus steuert man den Verkehr in der Stadt und der Energieverbrauch wird ebenfalls über einen Algorithmus gesteuert und beide Systeme können so viel effizienter gestalten werden. Frau Prof. Dr. Marianne Reeb hat diese Visionen am Anfang erstmal eine Absage erteilt, weil Städte soziale Gebilde sind und auch in der Zukunft bleiben werden. Aber auf der anderen Seite gibt es natürlich vielversprechende Technologien wie das automatisierte Fahren und diese Technologie dominiert, den Fachdiskurs der letzten Jahre. Wenigstens testweise kann man schon in Berlin diese Roboter-Taxis sehen und wenn man einigen Zukunftsdenkern glaubt, dann wird dem automatisierten Fahren die Zukunft gehören.

Automatisiertes Fahren gehört in Stadt

Die Grundidee hinter dem automatisierten Fahren ist ja einfach, dass die gleichen Bewegungskilometer mit weniger Fahrzeugen bewältigt werden kann, weil diese Fahrzeuge effizient gesteuert werden und so rund um die Uhr in Bewegung sind. Das gegenwärtige Auto steht ja 23 Stunden am Tag und diese Zeitrelation wird sich umdrehen. Aber um diese Zukunftsversion umzusetzen, muss sich noch viel in Sachen Infrastruktur ändern. Ein Blick nach China hilft weiter, weil in China die Städte neu aufgebaut werden können und hier kann man sich schon auf neue Technologien einlassen. Aber auch in Europa mit den gewachsenen Städten wird sich früher oder später diese Technologie durchsetzen oder zu einem gewissen Maße etablieren. Es gibt die ersten Modellvorhaben wie bei der Olympiabewerbung der Rhein-Ruhr-Region und bei zukünftigen Verkehrskonzepten müssen neue Verkehrskonzepte wie das automatisierte Fahren mit gedacht werden. Wie kommt das automatisierte Fahren in die Städte der Zukunft, nun erst einmal muss der Staat einen regulativen Rahmen setzen!

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 94 Prof. Dr. Carsten Schultz (CAU Kiel)

von Jürgen Vagt 03.06.20
heute ging es mit den Zukunftsmobilisten Richtung Norden und ich habe mit Prof. Dr. Carsten Schultz gesprochen, weil das Thema automatisiertes Fahren auch an Albrechts-Universität erforscht wird. Prof. Dr. Carsten Schultz ist Professor für Technologiemanagement und Technologiemanagement ist eine Teildisziplin der Betriebswirtschaftslehre. Wie werden aus neuen Technologien tragfähige Geschäftsmodelle und hier muss das automatisierte Fahren noch einen weiten Weg gehen bis man als Unternehmen mit dieser Technologie Geld verdienen kann. Aber diese Technologie verspricht sehr große Effizienzpotenziale und innerhalb der Mobilitätswirtschaft ist das Thema in den letzten Jahren dominierend geworden. Die Automatisierung des Autos schreitet massiv voran, aber ob wir schon in den nächsten Jahren vollständig automatisierte Fahrzeuge sehen, bleibt für Prof. Dr. Carsten Schultz fraglich.

Skepsis gegenüber dem schnellen Markthochlauf

In der gesamten Podcastreihe zeigt sich, dass der Optimismus gegenüber einem schnellen Markthochlauf des automatisierten Autos verflogen ist und insbesondere glaubt kaum einer der Experten, dass das hochgradig oder vollständig automatisierte Auto von Privatleuten genutzt werden könnten. Auch Prof. Dr. Carsten Schultz erwartet einen Markthochlauf im ÖPNV, es geht erst einmal um den Einsatz von hoch automatisierten Fahrzeugen im Umland von großen Städten. Aber es sind auch verschiedene Logistikanwendungen denkbar und wenn man schon mal einen Kieler Professor am Mikrofon hat, geht es auch um die Schifffahrt und in der Tat gibt es die ersten Modellversuche. Aber so einfach ist die Etablierung des automatisierten Fahrens auf dem Wasser nicht, weil der Wellengang und die Strömung beachtet werden müssen, damit man die Steuerung einer Fähre oder eines Boots automatisieren kann. Aber eigentlich ist die Herausforderung ein Schiff automatisiert zu steuern sehr einfach und in Norwegen fahren auch die ersten hochgradig automatisierten Schiffe fahren in den Fjorden von Norwegen. Laut Herrn Prof. Dr. Carsten Schultz wird es erstmal hochgradig automatisierte Lkws geben, weil der ökonomische Anreiz sehr hoch ist und die heutige Technik einen automatisierten Lkw-Betrieb möglich machen würde.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 93 Lukas Neckermann (Neckermann Strategic Advisors)

von Jürgen Vagt 19.05.20

heute begrüßte ich mit Lukas Neckermann einen erfahrenen Strategieberater und seit 2013 ist Lukas Neckermann selbstständig und berät die Akteure in der Mobilitätswirtschaft. In den letzten 7 Jahre war Lukas Neckermann mit den Themen Elektromobilität und automatisierten Fahren unterwegs. Laut Lukas Neckermann ist das Thema Elektromobilität bei den Autoherstellern am Anfang zur kurz gedacht worden. Die Veränderung ist viel größer als einfach nur den Antrieb auszuwechseln, weil die gesamte Infrastruktur um das Auto umgebaut werden muss. Alleine das Tanken wird sich grundlegend ändern und in der Tat bauen Filialketten immer mehr Ladestationen auf. Die großen deutschen Discounter wie Aldi, Lidl aber auch Fast-Food-Ketten wie MC Donalds bauen heute fleißig die Ladestationen aus.

Neue Kooperationen mit der Elektromobilität

Es stellt sich auch immer mehr die Frage, ob Kooperationen zwischen Energieversorgern und der etablierten Erdölindustrie sinnvoll wären. Wenn diese Branchen sich zusammentun, dann hätte man den Strom und die Ladetechnik an verkehrsgünstigen Lagen, aber bislang gibt es noch massive Berührungsängste und der Markthochlauf beginnt langsam aber sicher. Auch in Corona-Zeiten steigt die Nachfrage nach Elektroautos und auch wenn diese Pandemie den Autoabsatz durcheinander wirbelt, gehört dem Elektroauto die Zukunft.

Automatisiertes Fahren bleibt ein Thema

Die Corona-Pandemie beschäftigt die Wirtschaft und eben auch die Autoindustrie und das voll automatisierte Fahren wird wohl noch ein bisschen auf sich Warten lassen. Aber die Fahrerassistenzsysteme bis zum Level 2 also die teil autonomen Funktionen des Autofahrens sind beim Käufer populär und sollten laut Lukas Neckermann Standard bei Neuwagen werden. Am Ende des Gespräches haben wir die Szenarien für das automatisierte Fahren entwickelt und die Entwicklung geht von niedrigen Geschwindigkeitsbereichen aus und wird dann Verkehrsbereiche mit höheren Geschwindigkeitsbereichen erfassen. Aber in den nächsten Jahren werden es wohl noch Bereiche mit geringen Geschwindigkeiten und abgesperrte Arealen bleiben, erst mittelfristig geht es in die Richtung des öffentlichen Verkehrs. Natürlich wird es noch in den Deutschland eine große gesellschaftliche Debatte geben um die rechtliche Behandlung des automatisierten Fahrens geben.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 92 Arne Behrensen Cargo-bike.jetzt

von Jürgen Vagt 25.05.20
ein kleines, aber wachsendes Segment der Zukunftsmobilität sind Cargo-Bikes und bei Familien werden Cargo-Bikes immer beliebter. Arne Behrensen begleitet als Blogger und Berater dieses Thema seit 5 Jahren und deswegen war Arne Behrensen heute zu Gast bei den Zukunftsmobilisten. Am Anfang sprachen wir über Cargo-Bikes in der professionellen Logistik gesprochen und gibt es wichtige Modellvorhaben. Cargo-Bikes werden auch schon seit ein paar Jahre von etablierten Logistikerin in den Großstädten eingesetzt. UPS hat in einem Modellvorhaben in Hamburg gezeigt, dass man die gleiche Beförderungsleistung innerhalb von Innenstädten erreichen kann, wenn man auf Cargo-Bikes einsetzt. Es ist nur noch ein Transporter notwendig, aber 9 herkömmliche Transporter können mühelos durch Cargo-Bikes ersetzen werden. Elektrische Fahrräder waren ja auch schon in den 2010er Jahren populär und von diesem Trend profitieren auch die Cargo-Bikes. Zudem ist das Angebot bei professionellen Cargo-Bikes besser als bei elektrischen Personenkraftwagen.

Innenstädte als Einsatzgebiet

Cargo-Bikes bieten also die Möglichkeit, vergleichsweise große Transporter zu ersetzen, sodass kleinere Fahrzeuge in Innenstädten unterwegs sind und mehr Cargo-Bikes wirken so gegen den Stau und die CO2-Emissionen in den Innenstädten. Es muss also nicht immer Hightech sein, sondern ein Fahrrad mit elektrischem Antrieb kann den Innenstadtverkehr nachhaltiger machen. Aber auch bei diesen Fahrzeugbauern wird testweise erprobt, wie man Cargo-Bikes automatisiert fahren lassen kann und die ersten Start-ups gibt es auch schon. Große Kommunen wollen früher oder später die Verbrenner aus den Innenstädten vertreiben und elektrische Cargo-Bikes sind eine sehr gute Option.

Cargo-Bikes für Familien

Aber wirklich erfolgreich sind Cargo-Bikes im privaten Einsatz und viele Familien haben in Großstädten das eigene Auto abgeschafft. Große Cargo-Bikes können einen Kleinwagen ersetzen, weil bis zu 100 Kilogramm zugeladen werden kann. Cargo-Bikes sind auch kleiner als Kleinwagen, sodass man einfacher einen Parkplatz findet. Kinder können problemlos mitgenommen werden. Auch für Gewerbetreibende sind Cargo-Bikes ein Thema, weil man besser und schneller Güter in der Innenstadt ausliefern kann.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 91 Dr. Daniel Pauly (Linklaters)

von Jürgen Vagt 05.05.20
heute habe ich Dr. Daniel Pauly von der Law-Firm Linklaters bei den Zukunftsmobilisten gesprochen. Am Anfang haben wir erst einmal Ordnung in die moralischen Dimensionen um das automatisierte Fahren gebracht. Im Verkehr herrscht bekanntermaßen der Rechtsgrundsatz, dass der Mensch als Fahrer haftet unabhängig davon welche technischen Hilfsmittel beziehungsweise Fahrerassistenzsysteme genutzt werden. Laut Dr. Daniel Pauly wird dieser Grundsatz mit allen Wirkungen auf das Verkehrsrecht und die Versicherungswirtschaft auch auf absehbare Zukunft gelten. Nur wenn in einem Gebiet fast vollständig hochgradig automatisierte Fahrzeuge unterwegs sind, kann man diesen Rechtsgrundsatz ändern, sodass die Maschinen haften werden. Wenn man sich die Entwicklung in der Etablierung des automatisierten Autos anschaut, dann wird so ein Zustand erst im Jahr 2050 eintreten.

Erstmal geht es um Daten

Entscheidender ist in den nächsten Jahren die Frage, wie man mit den Daten des Fahrzeuges umgehen soll, weil die diversen Sensoren im Auto alle Fahrsituationen aufnehmen und die verschiedenen Assistenzsysteme speichern auch alle Veränderungen und eben auch die Reaktionen des Fahrers. Das automatisierte Auto egal auf welchen Level ist eben auch ein digitales Auto. Mit dieser Entwicklung wird das Auto immer ähnlicher, im Vergleich zu Industrie 4.0 Themen oder den Smart Devices im Haus. Deswegen stellt sich die Frage, wie man mit diesen Daten umgehen soll und wer diese Daten unter welchen Bedingungen auswerten soll. Die Autohersteller haben natürlich ein Interesse, die Daten aus dem Fahrzeug auszuwerten und die Automatisierung des Autofahrens sicherer zu machen. Aber auch die Versicherungswirtschaft kann mit den Daten, niedrigen und risikogerechtere Prämien entwickeln. Aber natürlich ist auch Missbrauch Tor und Tür geöffnet und Datenschutz bleibt ein kritisches Thema. Laut Dr. Daniel Pauly ist die Anonymisierung der Daten durch die DSGVO möglich und damit ist der Königsweg eröffnet. Wenn kein Personenbezug der Daten hergestellt werden kann, dann müssen keine Datenschutzvorschriften eingehalten werden. Damit können alle möglichen Geschäftsmodelle entwickelt werden und kein Akteur hat eine dominierende Stellung bei der Verwendung der Daten. Jetzt können Daten mittels passender Geschäftsmodelle in bare Münze überführt werden.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 90 Roman Zitzelsberger (IG Metall)

von Jürgen Vagt 14.05.20
heute begrüßte ich mit Roman Zitzelsberger einen Vertreter der IG Metall und Roman Zitzelsberger ist Bezirksvorsitzender der IG Metall in Baden Württemberg. Somit haben wir einen Einblick in das automobile Herz Deutschlands erhalten. Natürlich war der nervtötende Corona-Virus ein Thema, denn so langsam wird in der Automobilproduktion wieder die Produktion hochgefahren. Der Shutdown löst sich so langsam, aber die Nachfrage ist gegenwärtig weltweit eingebrochen und die Nachfrage wird auch nicht so schnell wieder anspringen. Jetzt lautet das Motto in der Industrie im Allgemeinen und der Automobilindustrie in Besonderen, Cash is King.

Elektroautos vor dem Markthochlauf

Die Hersteller haben nun ein ordentliches Angebot von Elektroautos bei den Händlern, aber ob eine Prämie der Automobilindustrie weiterhelfen wird, bleibt fraglich. Roman Zitzelsberger meint, dass jetzt eine Kaufprämie zwar neue Käufer in die Autohäuser bringen würde, aber für diese 500000 neuen Kunden gäbe es momentan keine Elektroautos. Die Kapazitäten der Werke würde nicht reichen, um diesen Nachfragepush zu bedienen. Eine mögliche Stütze der Automobilindustrie sollte auch moderne und verbrauchsarme Verbrennungsmotoren umfassen. Gegenwärtig kommt die Coronakrise zur Unzeit, weil einerseits die Elektromobilität noch nicht in der Gewinnzone ist und die Etablierung des automatisierten Fahrens kostet noch sehr viel Geld. Jetzt in Frühjahr 2020 kommt noch Corona hinzu und da scheut man Investitionen in die Zukunftsfelder. Die Automobilindustrie muss auch noch den Wandel zur Elektromobilität bewältigen und eben auch die ca. 800000 Beschäftigten bei den Autoherstellern.

Neue Qualifikationsprofile und bedrohte Jobs

Der Wandel zur Elektromobilität verändert natürlich die Automobilindustrie und wird es auch weiterhin tun. Allgemein kann man wohl sagen, dass sich der Bedarf zur Elektrotechnik verlagern wird und diese Mitarbeiter werden gesuchte Leute sein. Grundsätzlich gilt, dass das Elektroauto einfacher zu bauen sein wird als die konventionellen Verbrenner, aber so simpel ist der Zusammenhang nicht. Der Wettbewerb wird auch dafür sorgen, dass Elektroautos sich verändern werden. Man kann sich als Autohersteller durch Design und eine moderne digitale Innenausstattung von anderen Herstellern abheben und Kunden überzeugen. Da kann man sich wieder mal sich an Tesla an Beispiel nehmen.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 89 Dr. Martin Hohla (Mobility Fund)

von Jürgen Vagt 07.05.20

heute sprach ich mit Dr. Martin Hohla von Mobiliy fund. Der studierte Betriebswirt leitet heute eine Venture – Capital Gesellschaft, die sich ausschließlich mit den Themen der Zukunftsmobilität beschäftigt. Eigentlich sollte es um Elektromobilität und das autonome Fahren gehen, aber natürlich ging es erstmal um die Corona-Pandemie. Wer als Start-up jetzt noch keine Finanzierung hat, wird wohl auch erstmal keine bekommen, aber der finanzierten Start-ups sollten einfach weiter arbeiten und die Geschäftsmodelle schärfen. In der größten Pandemie seit 100 Jahren lässt sich keine Aussage über die nächsten 3 – 6 Monate treffen und die Indikatoren für die Veränderung der Mobilität bleiben ja positiv.

Unternehmerische Chancen in der Elektromobilität

Wenn man sich die unterschiedlichen Felder anschaut, dann ist Elektromobilität sehr weit. Für den deutschen Markt sind 300 elektrische Modelle angekündigt und Volkswagen als größter deutscher Autohersteller hat die Produktion im November 2019 begonnen. Trotzdem gibt es immer noch Möglichkeiten für Start-ups, weil der Komfort beim Laden des Elektroautos noch sehr schlecht ist und hier gute technische Lösungen gefragt sind. Laut Dr. Martin Hohla wird es auch weiterhin keinen Boom von neuen elektrischen Herstellern geben, allerdings gab und gibt es immer spannende Nischensegmente für neue Fahrzeugkonzepte . Für Dr. Martin Hohla sind insbesondere vergleichsweise kleine Auslieferungsfahrzeuge für die Auslieferung in Großstädten hochinteressant. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich diese Konzepte auf den großstädtischen Bereich konzentrieren werden.

Automatisiertes Fahren auch auf dem Land

In der Etablierung des automatisierten Fahrens spielen die ländlichen Räume, aber eine zentrale Rolle, weil eine einsame Landstraße wenig komplexe Fahrbedingungen bietet und solche Anforderungen kann die Technik auch schon in der Gegenwart bewältigen. Daneben bieten sich noch die Randbezirke von Großstädten an, weil auch hier einfache Fahrbedingungen herrschen und es auch tragfähige Geschäftsmodelle geben könnte, in der Vororten gibt es genug Kunden, sodass sich ausreichend viele Kunden für diese Roboter-Shuttles finden lassen. Bei LKWs ergeben sich Probleme, weil ein Unfall mit einem 40 Tonner erhebliche Unfallfolgen haben wird.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 88 Dr. Stefan Penthin (Bearing-Point)

von Jürgen Vagt 05.05.20
heute begrüßte ich Herrn Dr. Stefan Penthin von der Unternehmensberatung Bearingpoint bei den Zukunftsmobilisten und wir sprachen eine knappe Stunde über die Lage der Autoindustrie. Natürlich fing das Gespräch mit einem Lagebericht über Corona an und die Autoindustrie hat so eine Krise seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen. Die Prognosen des Absatzes müssen um 15 % bis 20 % nach unten reduziert werden und wenn eine schwere wirtschaftliche Rezession einsetzt, dann verschlechtert sich das Konsumklima immer mehr und der Neuwagenabsatz bricht noch stärker ein.

Krisenreaktion der Autoindustrie

Das Angebot muss oder sollte sich laut Dr. Stefan Penthin auch ändern, weil die internationalen Lieferketten sehr anfällig sind für Pandemien und man könnte relativ schnell die heimische Fertigung aufbauen. Gegenwärtig werden Fertigungskapazitäten nicht genutzt und so könnte man schnell die heimische Produktion hochfahren, sodass man eben unabhängiger gegenüber den internationalen Lieferketten wird. Für Dr. Stefan Penthin bleibt es fraglich, ob überall in den Autoindustrien ein Rotstift angesetzt wird. Aber diese Corona-Pandemie trifft die Autoindustrie zur Unzeit, weil die großen Innovationsthemen wie Elektromobilität, automatisiertes Fahren und Mobility as a Service gegenwärtig Geld kosten und keinen Gewinnbeitrag bringen. Alle Autohersteller und Zulieferer müssen gegenwärtig in die Elektromobilität investieren und sind noch lange von der Gewinnschwelle entfernt.

Abwrackprämie reloaded

Im Mai 2020 wird wieder eine Abwrackprämie diskutiert und es stellt sich dann die Frage, ob ausschließlich batterie- elektrische Fahrzeuge gefördert werden. Nach der Finanzkrise 2008 gab es ein Abwrackprämie, um die Autoindustrie durch die damalige Krise zu bringen. Dr. Stefan Penthin meint, dass auch in der Corona – Lage des Jahres 2020 eine Abwrackprämie einen wichtigen Beitrag leisten könnte, aber diese Prämie sollte sich nicht nur auf Elektroautos beschränken. Diese Corona-Krise muss nicht nachteilig für die Einführung des automatisierten Fahrens sein, denn bislang sind die Forschungsetats noch nicht gekürzt und fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme sind beim Kunden sehr beliebt. Alles bis zum Level 2–3 der Automatisierungsskala ist ein klares Verkaufsargument und kann der Autoindustrie wichtige Umsätze in der Krise des Jahres 2020 bringen.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 87 Prof. Dr. Claudia Kemfert (Energie - und Umweltökonomin/DIW Berlin)

von Jürgen Vagt 03.05.2020
heute durfte ich Prof. Dr. Claudia Kemfert bei den Zukunftsmobilisten begrüßen und wir sprachen über kurz über die Corana-Lage. Aber dann ging es schnell zur Elektromobilität mit der bekannten Energie – und Umweltökonomin vom deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Im Mai des Jahres 2020 ist die Abwrackprämie wieder ein Thema, weil die Corona-Pandemie eine massive Rezession verursacht und oder verursachen wird. Die Autoindustrie und deren Lobbyisten wollen Staatskohle, um die Automobilindustrie zu stützen. Die Automobilindustrie bleibt die deutsche Schlüsselindustrie, aber anderseits werden noch Dividenden trotz Corona bezahlt und in den letzten Jahren gab es reichlich Gewinne. Wenn es eine Förderung geben sollte, dann sollte es eine Mobilitätsprämie werden und nicht wieder eine Subventionierung von 2 Millionen Autokäufern durch 27 Millionen Steuerzahler. Sofern der politische Wille entstehen sollte, dann müssten Fahrräder, Bahnen und diverse Carsharingangebote gefördert werden.

Prämie für Elektroautos

Seit gut 2 Jahren gibt es ja Kaufprämie für Elektroautos, aber bislang steigt der Absatz von Elektroautos mit großen Zuwachsraten, aber bleibt immer noch auf kleinem Niveau. Das Angebot ist immer noch schlecht und unvollständig, wenn man es mit Verbrennerfahrzeugen vergleicht. Die Autoindustrie ist immer noch zu langsam und andere Hersteller geben das Innovationstempo vor, der Markthochlauf wird beginnen, wenn Elektroautos im Gesamtkostenvergleich mit den Verbrennern gleichziehen. Meine Recherchen nach schafften es die ersten asiatischen Hersteller diese Gleichheit bei den Kosten in den Modelljahrgängen des Jahres 2018 zu erreichen. Auch die deutschen Hersteller werden bald diese Kostengleichheit erreichen und dann ist Prof. Dr. Claudia Kemfert zuversichtlich, dass der Absatz von Elektroautos rasant steigen wird.

Batterie-elektrisches Fahren ist umweltverträglich

Im Jahr 2019 gab es mal wieder kritische Studien über die Umweltverträglichkeit von Elektroautos, die Pro – und Contra Argumente sind unten in den Shownotes aufgelistet. Prof. Dr. Claudia Kemfert will noch mal hervorheben, dass mit der batterie-elektrischen Mobilität die Erneuerbarkeit in den Automobilbau Einzug hält. Weil die Batterie nach dem Autoleben erneut als Notstromaggregat genutzt werden kann und dann am Ende der Nutzung können die Rohstoffe recycelt werden. Dieser Kreislauf ist es eben ökologisch besser, als Öl zu verbrennen und den Klimawandel ständig und stetig anzuheizen.

Die Zukunftsmobilisten: Nr. 86 Craig Davis (Ex-Tesla/ clean green fast)

von Jürgen Vagt 21.04.20

heute begrüßte ich mit Craig Davis einen erfahrenen Elektromobilisten bei den Zukunftsmobilisten und wir sprachen eine gute Stunde über die Entwicklung bei den Elektroautos. Bereits 2004 begann Craig Davis seine Karriere bei Mini und dann fing er bei Tesla an und war einer der ersten europäischen Mitarbeiter des amerikanischen Start-ups. Laut Craig Davis hat Tesla die Elektromobilität vorangetrieben und führt technologisch schon 5–8 Jahre gegenüber den traditionellen Autobauern. Aber in den 2010er Jahren erkannten auch die europäischen Hersteller die Zeichen der Zeit und jetzt in den Jahren 2018 / 2019 gibt es immer mehr elektrische Fahrzeuge von den europäischen Herstellern.

Software ist der Schlüssel zum Erfolg

Man sollte bedenken, dass Tesla eigentlich ein Softwareunternehmen ist und sich in der Tradition des Silicon Valley sieht. Software ist der Schlüssel zum Erfolg des Elektroautos beim Kunden, denn dass Elektroauto ist eben ein digitales Auto. Ob es der Komfort bei Laden und die effiziente Nutzung der Batterieleistung ist, gute Software ist ein Qualitätsmerkmal von Elektroautos. Die deutschen Hersteller haben laut Craig Davis bis 2018 die Softwarekomponente hinzugekauft und jetzt versuchen die Autohersteller diese Kompetenzen innerhalb der Konzerne aufzubauen. Die Softwarekompetenz ist neben der Batterie entscheidend und jetzt im Jahr 2020 wird es sehr teuer, wenn man den Entwicklungsvorsprung von Tesla aufholen will.

Digitales Denken und Automotive

Entscheidend bleibt aber, dass die deutschen und europäischen Hersteller anfangen digitaler zu denken und es wäre sinnvoller, wenn ein Informatiker oder Softwareentwickler Chef des Automobilverbandes werden würde. Das Maschinenbaudenken ist laut Craig Davis zu dominant innerhalb der deutschen und etablierten Autoindustrie. Die Mentalität ist schwer zu verändern, weil die Industrie in den 2010er Jahren sehr erfolgreich waren, aber die fossilen Geschäftsmodelle sind laut Craig Davis nicht mehr tragfähig und die Corona-Krise muss dazu führen, dass neue Erlösmodelle mit der Elektromobilität und digitalen Dienstleistungen aufgebaut werden. Nur so kann der Wandel glücken.